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Newsletter #13
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Ich bin mir nicht mehr sicher, ob das hier noch als Newsletter durchgeht. Mittlerweile gibt es mehr Bilder und Texte als News und Fakten – hat sich irgendwie so ergeben. Diesmal ist der Newsletter etwas voller, mit mehr Bildern und Text. Vielleicht reduziere ich das beim nächsten Mal ein wenig. Mal sehen.
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Zumindest für den ersten Text unten habe ich kein Bild verwendet. Es wäre nur ein Symbolbild gewesen, und die sind mir zuwider. Umso wichtiger ist das eigentliche Thema: die Relevanz von (fehlenden) Daten. Ich bitte Sie, den Text wirklich ernst zu nehmen. Weiter unten geht's dann mit Messern, Flamingos und Tanz weiter.
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Und nun: Bitte unterstützen Sie so viel kostenfreien Text und Bild mit einer kleinen Spende – kann man hier bei Steady.
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Viel Spaß mit diesem Newsletter ohne News.
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Ach, zwei News gibt es doch: 1. Alexandra Lechner ist die neue Geschäftsführerin des Fotografie Forum Frankfurt. 2. Der eigentlich großartige Ausstellungsraum HAMBURG WERKSTATT FOTOGRAFIE hat sich aus St. Pauli verabschiedet und zieht nach Berlin. Blöd und langweilig. Also letzteres. Der Rest ist spitze.
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_dsc, kein Urheber
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Wer ab und an auf digitalem Wege Bildmaterial von Künstler:innen und Fotograf:innen bekommt, dürfte regelmäßig über folgendes Problem gestolpert sein: Weder der Dateiname noch irgendein Hinweis in den IPTC-Daten lässt Rückschlüsse darauf zu, was man da eigentlich bekommen hat und von wem. Am liebsten sind mir Bilder von folgenden Fotograf:innen: _dsc 3289, unbenannt 3 (Leerzeichen im Dateinamen sind sowieso eine schlechte Idee), img-48 oder ganz oft auch einfach (hier beliebige Zahl einfügen).jpg.
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Es folgt hier nun ein kleiner Exkurs zu den Daten, die in einem Bild enthalten sein könnten, jedoch besonders unter Künstler:innen kaum bedacht werden. Wer im angewandten oder Editorial-Bereich arbeitet, wurde sicherlich schon von den unterschiedlichsten Fotoredakteur:innen darauf hingewiesen, bitte wenigstens die rudimentärsten Metadaten mitzuliefern – und wenn es nur der Copyright-Vermerk ist. Das ist zwar kurios, da es das Copyright in Deutschland gar nicht gibt, aber zumindest lässt sich so die Urheberschaft nachvollziehen.
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Aus eigener Erfahrung: Wer einem Fotoredakteur Bilder schickt, dürfte auf freudiges Wohlwollen stoßen, wenn in den IPTC-Daten wenigstens irgendetwas zu finden ist. Im Grunde ganz einfach: Wer hat was und wen fotografiert? Bedenkt man, wie schnell sich Bilder im Internet verbreiten können, ergibt es Sinn, diese latenten Daten mitzuliefern. Oder ist der Wille, ungesehen zu bleiben, so groß?
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Ich nehme im Folgenden einen Großteil der kommerziell arbeitenden Fotograf:innen aus, denn diese beherrschen das – mehr oder weniger und gezwungenermaßen – schon gut. Ganz anders sieht es jedoch bei Künstler:innen aus. Was ich da manchmal an Bildmaterial im Netz, in Mailprogrammen oder auf meiner Festplatte finde, ist überraschend witzig bis fahrlässig.
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Kleiner Exkurs: Wer digitales Bildmaterial an wen auch immer verschickt, sollte bitte bedenken, dass die jeweiligen Empfänger:innen dieses Material abspeichern, ordnen und wiederfinden müssen, um es zu veröffentlichen. Hier kommen die Metadaten (IPTC/ Information Interchange Model (IIM)) ins Spiel, denn diese sind sowohl vom Betriebssystem als auch von Google oder anderen Maschinen les- und somit durchsuchbar. Davon auszugehen, dass andere eine bessere Ordnung und Struktur auf ihrem eigenen Rechner pflegen als man selbst, ist zwar nett, aber unrealistisch. Somit passiert es natürlich, dass man im eigenen System einfach die Suche benutzt, um einen Namen oder ein spezielles Bild zu finden. Das Ergebnis ist oft: nichts. Obwohl das Material da ist. Sucht man aber nach _dsc.jpg, ist ein Nervenzusammenbruch nicht abwegig.
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Und das betrifft nur die Benennung, die in den meisten Fällen noch halbwegs ordentlich ist. Was jedoch in fast 90 % der mich erreichenden Bilder in den IPTC-Daten komplett fehlt, ist Folgendes:
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· Ein Vermerk zur Urheberschaft
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· Eine kurze Bildbeschreibung
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· Eine mögliche Bildunterschrift
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· Mögliche Kontaktinformationen
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Dabei ist das nur ein Bruchteil der möglichen Informationen, die sich schnell in einem Bild speichern lassen. Jedes digital produzierte oder digitalisierte Bild wandert mindestens einmal durch ein Katalogisierungs- und/oder Bildbearbeitungsprogramm. Warum also nicht bei dieser Gelegenheit ein paar Metadaten mitgeben?
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Das hat noch ganz andere Vorteile: Suchmaschinen wie Google durchsuchen bei Bilddaten auch die Metadaten nach Informationen. Wer also Bilder produziert und veröffentlicht, täte gut daran, sie ordentlich zu benennen, zu beschreiben und mit Informationen zu versehen – und sei es nur, um auf die eigene Urheberschaft zu verweisen. Wenn diese Bilder dann auf irgendwelchen Webseiten landen (sollen), führt das bei Empfänger:innen und Menschen, die die Bilder veröffentlichen, schnell zu Frust und Genervtheit. Das Thema Farbraum und Dateigröße lasse ich jetzt mal außen vor, aber auch das wird oft sträflich vernachlässigt. Ich bekam letztens eine Mail mit einem PDF, das sage und schreibe 35 MB groß war. Naja.
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Dass es nicht ganz einfach ist, sinnvolle Dateinamen und Metadaten zu finden und für Bilder zu nutzen, weiß ich selbst. Ich nehme mich da auch überhaupt nicht aus. Viel zu lange war mir nicht bewusst, welche Konsequenzen fehlende Daten haben können. Denn irgendwer wird diese Daten dann im Zweifel eigenständig nachtragen müssen (danke!) oder einfach weglassen. Man gibt also ein Stück Kontrolle über das eigene Material ab. Möchte man das?
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Mittlerweile habe ich mir angewöhnt, zumindest rudimentär immer das Nötigste in die Bilder einzupflegen. Das führte dazu, dass ich das auch bei Bildern gemacht habe, die ich von anderen für jedwede Veröffentlichung bekam. Und was hat das bewirkt? Ich veröffentliche kaum noch Kurzinterviews auf der Webseite, weil es in der Vergangenheit fast immer bedeutete, dass ich alle Bilder noch einmal anfassen und mit Informationen versehen musste. Sonst hätte ich in der Bilddatenbank unzählige Bilder mit dem Namen 1.jpg – was allein technisch schon ein riesiges Problem darstellt.
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Dass zumindest an den Hochschulen das Thema Metadaten auch den Studierenden vermittelt wird, ist mir auf Nachfrage schon bestätigt worden. Wie sehr einen das während des Studiums interessiert, ist allerdings eine andere Frage. Ich denke schon seit langer Zeit darüber nach, einen Workshop für Künstler:innen und Menschen aus dem Kulturbetrieb zum Thema Metadaten anzubieten. Vielleicht gehe ich das einmal an. Es sind Soft Skills, die dazu führen können, dass man eine deutlich seriösere Außenwirkung hat oder einfach mit einem freundlichen Danke bedacht wird. Habe ich auch schon gemacht.
„Und ich muss Dir ein Lob aussprechen. Danke für diese vorbildlich ausgefüllten Metadaten.“
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Ausstellungen und Events bis zum 28.02.25
Die folgenden Empfehlungen und Nennungen speisen sich aus dem dieMotive-Veranstaltungskalender. Was eingetragen ist, kann auch genannt werden. Hier und auf Instagram. Ab sofort ist der Eintrag auch mit Bildupload kostenlos.
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SILVIA ROSI „Protektorat . C/O Berlin Talent Award 2024“
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VERNISSAGE HEUTE 31.01.2025 UM 20 Uhr
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Ort: Hardenbergstraße 22–24, Berlin, 10623
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Heute eröffnet die Ausstellung der C/O Berlin Talent Award-Gewinnerin Silvia Rosi. Ich weise besonders auf diese Ausstellung hin, da ich Teil der Jury war. Silvia Rosi ist wirklich großartig – ich hatte bereits bei der RAW Phototriennale in Worpswede die Gelegenheit, ihre Arbeit staunend zu bewundern. Ich hoffe sehr, dass sie ihren Weg ebenso beeindruckend weitergeht.
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Die Ausstellung läuft noch bis zum 7. Mai.
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Stopover 2025 Workshop „Fotografie und Gesellschaften“
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Ort: Gelsenkirchener Str. 209, Essen, NRW 45309
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Die Masterstudierenden des Studiengangs Photography Studies and Research laden am Mittwoch, den 5. Februar 2025 zu einem Workshop ein. Unter dem Titel „Fotografie und Gesellschaften“ präsentieren sie ihre aktuellen Forschungsprojekte. Ein Gespräch mit Visual Historian und Kuratorin Miriam Zlobinski ergänzt das Programm. Beginn ist ab 10 Uhr.
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HIGH DENSITY SOFT BLUR II
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VERNISSAGE 07.02.2025 18 Uhr
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Ort: Mittenwalder Straße 15, 10961, Berlin
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Foto: Stefanie Seufert
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HIGH DENSITY SOFT BLUR untersucht anhand der Arbeiten von Marta Djourina, Stefanie Seufert, Steffi Lindner, Thomas Buts und Daniela Risch die Spannweite des Fotografischen im weitesten Sinne, mit Fotografien, deren Bild kein Abbild ist und Bildnissen, die aus der Fotografie verwandten oder auch entgegengesetzten Prozessen hervorgegangen sind.
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Mit HIGH DENSITY SOFT BLUR II ist der Essener Kunstraum KOP.12 inzwischen zum zweiten Mal in Berlin zu Gast. Nach der Kollaboration mit der Galerie XPINKY BERLIN in 2023 in diesem Jahr im Sankt Studio Berlin.
Läuft bis 16.02.2025
Infos HIER.
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FOTOTREFF #43: „Bilder der Natur – Tiere, Pflanzen und wie wir sie sehen“
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Ort: Mittenwalder Straße 15, 10961, Berlin
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Collage: (links) Yana Wernicke, aus der Serie “Companions”; (rechts) Saskia Groneberg, Zoo Vogel Penarth.
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Welche Geschichten erzählen wir über die Natur und welche erzählt sie über uns?
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In FOTOTREFF #43 sprechen Yana Wernicke und Saskia Groneberg über ihre fotografischen Arbeiten, die sich mit der Beziehung des Menschen zur Natur befassen. Mit ihren künstlerischen Fotografien eröffnen beide neue Perspektiven auf unser Miteinander mit Tieren, Pflanzen und Landschaften.
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Mit “Bilder der Natur – Tiere, Pflanzen und wie wir sie sehen” wendet FOTOTREFF den Blick auf unsere Mitgeschöpfe. Wir hinterfragen das Verhältnis zwischen Mensch und Natur und laden zum gemeinsamen Nachdenken über unser Zusammenleben ein – darüber, wie wir Natur formen, manipulieren und kontrollieren, aber auch darüber, wie wir die Natur brauchen und was sie uns gibt.
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Im zweiten Teil des Abends begrüßen wir die Kunstwissenschaftlerin Elena Korowin. Sie forscht zu den vielfältigen Verbindungen und Transfers von Kunst mit Politik, Kitsch und Krisen und stellt ihr Buch “Cat Content” vor.
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FOTOTREFF #43 findet in deutscher Sprache statt.
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Axel Hütte. Stille Weiten
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VERNISSAGE 09.02.2025 11 Uhr
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Wo: Arp Museum Bahnhof Rolandseck
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Ort: Hans-Arp-Allee 1, 53424, Remagen, Rheinland-Pfalz
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Axel Hütte, Cayo-1, Belize, 2008, © Axel Hütte, VG Bild-Kunst Bonn 2024
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Mit seinen malerisch anmutenden Werken zählt Axel Hütte (*1951 in Essen) zu den international bedeutendsten Fotografen der Gegenwart. Die seit den 1990er Jahren entstandenen großformatigen Aufnahmen von Landschaften, Gewässern, Bergen und Gletschern bilden einen Schwerpunkt der Ausstellung. Der Künstler selbst beschreibt diese als imaginierte Landschaften. Er ist als ehemaliger Schüler von Bernd und Hilla Becher ein wichtiger Vertreter der Düsseldorfer Fotoschule.
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Für seine Aufnahmen bereist Axel Hütte alle Kontinente. Lange harrt er an einem sorgsam ausgewählten Ort aus, bevor er sein Motiv mit einer Plattenkamera festhält. Die menschenleeren Bilder weisen keine Erzählstrukturen auf. Wasseroberflächen, Spiegelungen und Nebel verwandeln sich in abstrakte Strukturen, die zwischen Schärfe und Unschärfe oszillieren und zur meditativen Betrachtung einladen. Daran knüpfen auch vier Videoarbeiten Axel Hüttes an, die erstmals gemeinsam gezeigt werden. Mit ihrer experimentellen Ausgestaltung, mit elektronischer Musik und Klang-Kompositionen öffnen sie kontemplative Räume.
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Die in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler entstandene Schau vereint 36 Werke aus den Jahren 1997 bis 2024, für die das international bekannte Architektur- und Designbüro sauerbruch hutton eine fein abgestimmte Farbgestaltung entwickelt hat.
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Die Ausstellung läuft bis 15.06.2025
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Vergängliche Augenblicke
Ort: Am Außenhafen 28, 25813 Husum
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Der Flensburger Fotokünstler Heiko Westphalen lädt mit seiner neuen Ausstellung „Vergängliche Augenblicke“ zu einer faszinierenden Entdeckungsreise durch die Straßen des Alltags ein. Seine Werke widmen sich den unscheinbaren, oft übersehenen Details des urbanen Lebens – jenen kleinen Momenten und Szenen, die eine stille, aber eindringliche Geschichte erzählen.
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Uli Kaufmann „Snacks“
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Book Release und Ausstellung am 14.02.2025 um 18 Uhr
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Ort: Kochhannstrasse 14, 10249, Berlin
Winter ist grau, Curry ist scharf. Uli Kaufmann hat gekocht. Am 14.02.2025 präsentiert er sein neues Magazin. Lustig wie direkt erzählt das Heft in Triptychen fiktive Geschichten. Mit einer Installation stellt sich die Pop-Up Veranstaltung einen Abend lang gegen den Berliner Winter und gibt etwas Leichtigkeit zurück.
Infos HIER.
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come a little closer
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Wo: ANNELISE – RAUM FÜR BÜCHER UND BILDER
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Ort: Gneisenaustraße 30, 44147, Dortmund
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Im Rahmen des Projekts KOMMEN BLEIBEN GEHEN der Stadt Dortmund zeigen vier Fotografinnen der Fachhochschule Dortmund in der Ausstellung „come a little closer“ ihre Arbeiten. Mit „Self-Reflections“ nähert sich Lina-Marie Ritthammer ihrem eigenen Körper, während sich Adina Salome Harnischfeger in der Serie „Der Geschmack von Sonne auf der Haut“ mit komplexen Familiendynamiken beschäftigt. Hel Wagner reflektiert mit „searched for something, found nothing“ ihre Position in der Welt und Antonia Ivana Pečavar nähert sich mit „what we leave behind“ Motiven, die in Ausschnitten alltägliche Situationen zeigen. Die Ausstellung ist vom 16.02. – 26.02. samstags bis mittwochs von 14 bis 17 Uhr im Raum Annelise in Dortmund zu sehen. Die Eröffnung findet am Samstag, dem 15.02. um 19 Uhr statt.
Mehr Infos HIER.
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AFF Book Launch: Max Sher „Snow“
Ort: Kochhannstrasse 14, 10249, Berlin
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Snow ist ein Fotobuch des in Berlin lebenden Fotografen Max Sher, das aktuell vom Verlag The Velvet Cell mit Unterstützung der Friedrich-Ebert-Stiftung veröffentlicht wird. Das Projekt, das ursprünglich durch den gleichnamigen, mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Roman von Orhan Pamuk inspiriert wurde, erforscht die Auswirkungen und die Verstrickungen der jahrhundertealten Auseinandersetzung zwischen dem Russischen und dem Osmanischen Reich im Südkaukasus, insbesondere in der Provinz Kars im heutigen Nordosten der Türkei. Neben Fotografien und ausführlichen Bildunterschriften Shers enthält das Buch zwei Essays, einen vom Fotografen selbst und einen von der in Ankara ansässigen und auf die Region spezialisierten Sozialanthropologin Dr. Kübra Zeynep Sarıaslan.
Mehr Infos HIER.
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Grey Crawford | Transfigurations (1973-75)
Ort: Lindenstraße 35, 10969, Berlin
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Persons Projects ist stolz darauf, im Rahmen des EMOP Berlin – European Month of Photography, die dritte Einzelausstellung von Grey Crawford, Transfigurations (1973-75), zu präsentieren. Seine Performances aus den frühen 1970er Jahren verkörpern den Geist jener Ära in Südkalifornien, in der sich die Performance-Kunst von der Plattform des Publikums entfernte und zur fotografischen Erfassung des Augenblicks hinbewegte. Seine Experimente reichten von der Mojave-Wüste bis hin zu den berüchtigten Keramikrutschen von Douglas Humble in seinem eigenen Haus. Crawford verkapselt seinen Körper in schwarze Müllsäcke, um hinter Gebäuden durch das Gebüsch zu kriechen, mitten auf der Straße zu stehen oder in den See zu springen. Er verstand die Performance als eine konzeptionelle Übung, welche auch in Abwesenheit des ausführenden Körpers wahrgenommen werden kann.
Mehr Infos HIER.
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PORTFOLIO
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Christian Retschlag
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Mit einem gut kadrierten Bild ist schon viel gewonnen. Wenn man aber, wie Christian Retschlag, in Bild, Format, Inhalt und eben Kadrierung einfach alles richtig macht, dann, ja dann hat man nichts zu gewinnen, weil man außer Konkurrenz läuft.
"Frühstücksmesser", aufgenommen während einer Fahrradtour (eigentlich ein Reisestipendium, aber "Fahrradtour" klingt viel lockerer) von Hannover zum Mont Ventoux (ja, ich musste nachschauen, wo das ist) in der Provence. 23 Stück, schlicht, schwarz-weiß auf fast weißem Grund, links Schneide, rechts Griff. Man könnte sagen: Gähn. Aber das verbiete ich mir. Mit ein bisschen Feingefühl für Fotogeschichte, Gestaltung und Verständnis für Künstler:innen müsste einem ja das Herz aufgehen. Blossfeldt, Biermann, Kertész (die Gabel, you know), Neue Sachlichkeit und überhaupt: Frühstücksmesser. HAHA. Ein sichtbarer Wille zum Bild und ein klares Bekenntnis zur Fotografie. Bitte suchen Sie nicht nach schönen Dingen. Sie haben es hier mit einem humorvollen Künstler zu tun, der seine Umgebung über die Maßen gut beobachtet und/oder den die herrschende Weltaufregung ziemlich langweilt. Das sage ich denen, die das langweilig und banal finden.
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Frühstücksmesser 21 (Montélimar), Silbergelatineabzug, 4,7 × 23,5 cm
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Zurück zur Kadrierung: Sie ist es, die den Messern hilft, nicht einfach herumzuliegen und mit Gleichgültigkeit oder gar Abneigung betrachtet zu werden. Nein, diese Messer sind wunderschön. Wie gebettet liegen sie im Format, in der Ausstellung hinter Passepartout im braunen Rahmen. Ganz weiches Licht gibt ihnen genug Plastizität, um als Objekt wahrgenommen zu werden, ohne zum Produkt degradiert zu werden. Das schaffen, ehrlich gesagt, nicht viele. Wirklich am Bild arbeiten, am Raum.
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Wie mit den Messern verhält es sich mit allen Bildern von Christian Retschlag. Die Arbeit "Hannover - Mont Ventoux" (ausgezeichnet mit dem Sprengel-Preis 2023) ist eigentlich ein Roadtrip. Nur ist es ein Roadtrip von Christian Retschlag, der eben aussieht wie ein Retschlagscher Roadtrip. Der Pelikan ist auch richtig kadriert und verliert durch die fehlende Farbe und die an Antonionis "Blow-Up" erinnernde Ästhetik jeden möglichen Kitsch-Charakter. Bleibt der Mistral, dem Retschlag auch hätte folgen können, um ans Ziel zu gelangen. So bezeichnet das Bild "Mistralfänger" sicher eine Form des Kompasses.
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Mistralfänger, Silbergelatineabzug, 45 × 29,2 cm
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Flamingo, Silbergelatineabzug, 60,8 × 120,2 cm
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Flamingo, Silbergelatineabzug, 60,8 × 120,2 cm
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Wie in Retschlags Arbeit "Pilze" löst sich auch in "Baum X (Route de Malaucène)" das Objekt durch weißen Hintergrund von seiner Umgebung. Was in "Pilze" noch ein durchgehender Duktus ist, gilt hier nur noch für den Baum: Das Objekt wird zum Einzelobjekt, ja zur Skulptur. Wer nun an die Arbeit "Tree" von Myoung Ho Lee denkt, liegt zwar nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Lee scheint es in seiner Arbeit mehr um den Bombast und das (zugegeben schöne) Foto an sich zu gehen, Christian Retschlags "Baum X" ist in seiner Umsetzung dann doch etwas mehr als nur schön oder beeindruckend. Eingebettet in den Fluss der anderen Bilder scheint hier ein Interesse am Objekt/Baum selbst zu bestehen. Da wird nicht das formale Konzept durchgezogen, es wird das richtige Bild für diesen Baum gesucht. Es scheint gefunden zu sein. Auch hier: Die Kadrierung ist der Schlüssel. Alles richtig gemacht.
Was mich sehr erheitert, ist, dass mich auch die Arbeit von Christian Retschlag erheitert. 2023 gewann Adrian Sauer den Spectrum-Preis, dessen Ausstellung ebenfalls im Sprengel Museum stattfand. Ob Sauer oder Retschlag – ich würde beiden eine gewisse Form von Humor zuschreiben, den sie nach einigen Wendungen auch in ihre eigene künstlerische Arbeit einfließen lassen. Da hat wohl jemand in Hannover ein Händchen für gute künstlerische Arbeit und eine Form von Humor, die auch mir gefällt.
Und danke an Dörte Eissfeldt, die mir Christian Retschlag als einen ihrer ehemaligen Studierenden gezeigt hat. Wahrscheinlich wäre er an mir vorbeigeflogen. Jetzt spare ich, um mir eines der Messer, den Pelikan oder den Baum kaufen zu können.
Mehr von Christian gibt's hier.
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Fotobuch (fast)
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Der künstlerische Tanz
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Es ist kaum vorstellbar, dass heutzutage so etwas produziert würde: ein Sammelalbum mit Tanzfotografie, gespeist aus Sammelkarten aus Zigarettenschachteln. Da kommen mehrere Dinge zusammen, die heute kaum noch denkbar sind, damals jedoch fast selbstverständlich waren. Zum einen ist mir nicht bekannt, ob irgendein Tabakproduzent noch Karten oder ähnliches seinen Zigarettenschachteln beilegt. In den 1990ern gab es eine Zeit, in der man unter dem Cellophan der Zigarettenschachtel Teile der Berliner Mauer fand. Schräg genug. Wahrscheinlich war es sogar die Marke WEST.
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Doch dass es heutzutage Karten mit Tanzfotografien herausragender Fotograf:innen und Tänzer:innen als Beilage zu Zigaretten geben würde? Kaum vorstellbar. Während das Rauchen immer mehr aus dem öffentlichen Raum verschwindet, hat es die Tanzfotografie eigentlich niemals bis dorthin geschafft. Dabei ist Tanzfotografie ein sehr spezieller Fall – aus mehreren Gründen.
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Zeitgenössischer Tanz als ephemere Kunstform hatte es schon immer schwer, einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu werden. Ohne Pina Bausch könnte zeitgenössischer Tanz wohl als nahezu unsichtbare Subkultur beschrieben werden. Vor ihr waren es Künstlerinnen wie Gret Palucca und besonders Mary Wigman (Paluccas Lehrerin), die als Stars angesehen wurden. Beide (Wigman 1986, Palucca 1998) wurden beispielsweise mit einer Briefmarke geehrt. Und beide wurden viel fotografiert – im Tanz wie im Porträt. Der Ausdruckstanz hatte seine Hochphase zwischen 1920 und 1935 und traf damit auf die Strömung der Neuen Sachlichkeit, was zu unzähligen wunderbaren Verknüpfungen zweier Kunstformen führte. Von Hugo Erfurth über Albert Renger-Patzsch bis hin zu Charlotte Rudolph und Lotte Jacobi – wer in den 1920er Jahren fotografisch relevant war, schien auch an anderen Kunstformen anzuknüpfen. In diesem Fall sichtbar auf Zigarettensammelkarten.
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Das Album stammt von der Marke Eckstein-Halpaus, aus dem Jahr 1933, und trägt den Titel Der künstlerische Tanz. Es ist genau dieser „künstlerische Tanz“, der die Bilder besonders macht. Die Fotografien entstanden meist in enger Zusammenarbeit zwischen Tänzer:in und Fotograf:in. Damals waren Tänzer:innen nicht einfach Objekte, die ihre Beine möglichst hochwerfen oder eine spektakuläre Pose einnehmen mussten, nur damit Fotograf:innen ein beeindruckendes Bild bekamen. Heute fliegen die Menschen scheinbar nur noch von A nach B und versuchen dabei, möglichst glücklich und dynamisch auszusehen. Wobei sie natürlich nicht wirklich fliegen. Sie schweben – häufig durch vollkommen sinnentleerte, künstliche Beleuchtung ihrer eigenen Kunst entrissen. Respekt vor der Kunstform des gegenüber? Fehlanzeige.
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Der gegenseitige Respekt und das Verständnis für die Arbeit des Gegenübers werden in diesen Bildern jedoch sichtbar, je mehr Bilder man in diesem Album betrachtet und mit heutigen Tanzfotografien vergleicht. Das Foto von Mary Wigmans Feier, aufgenommen von Charlotte Rudolph, ist ein Paradebeispiel für die Möglichkeit, zwei Ausdrucksformen miteinander zu verbinden. Der Bildraum wird von der Pose vollständig eingenommen und mit viel Bedacht genutzt. So verhält es sich mit einigen Bildern und Karten in diesem Album. Bildraum, Haltung und, ganz entscheidend, Schatten (besonders bei Charlotte Rudolph) spielen eine nicht zu übersehende Rolle. Immer wieder lassen sich die Schatten und Anschnitte als Verweis auf etwas außerhalb des Bildrahmens lesen. Hinzu kommt, dass es sich zwar um ein Album aus Einzelbildern handelt, man jedoch sehr schnell die Autorenschaft vor oder hinter der Kamera erkennen kann.
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Etwas Vergleichbares ist mir in den letzten Jahren kaum begegnet – also eine Verbindung zweier Ausdrucks- bzw. Kunstformen zu etwas Neuem. Oder, wie es Dr. Christiane Kuhlmann in der 2013 erschienenen Fotografie-Ausgabe der Zeitschrift tanz beschreibt:
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„Die Tanzfotografie-Maxime der 1920er-Jahre, nach der fotografischer und tänzerischer Moment zusammenfallen, existiert heute nicht mehr. Stattdessen greifen Bildmuster, die für die Vermarktung eines Stückes notwendig sind, den Tänzerstar zeigen oder auf den Inszenierungsrahmen fokussieren. Hier ist die Fotografie reine Anwendung – mal besser, mal schlechter ausgeführt.“
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Das dürfte auch nach über zehn Jahren nicht falsch sein.
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Dieses schöne Album bekam ich übrigens von eben jener Christiane Kuhlmann während der Arbeit an meinem Masterabschluss geschenkt. Dafür möchte ich mich hier noch einmal sehr herzlich bedanken. Und als Transparenzhinweis: Christiane hat meine damalige Masterarbeit mitbetreut. Worum es darin ging? Na, um was wohl? Fotografie und Tanz. Klar.
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Das Album finde ich noch immer unfassbar toll. Einige Exemplare lassen sich in sehr gebrauchtem Zustand in den Tiefen des Internets finden.
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Und jetzt: Tanzt und fotografiert, sonst sind wir verloren.
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Eigene Sachen
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Was gibt’s Neues? Neue Podcast-Episoden sind in Arbeit. Etwas ganz Neues ist ebenfalls in Planung.
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Und weil es nach so viel Text ruhig noch ein bisschen mehr Text sein darf, habe ich hier einmal zusammengefasst, wer eigentlich hinter diesem Newsletter steckt.
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Ansonsten finden sich Podcastepisoden bei Spotify und Apple oder YouTube. Und direkt hier. Die werden nicht schlecht. Man kann also auch ältere noch hören bis neue da sind. Dauert aber nicht mehr lange.
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Du hast bis hierher gescrollt. Schön. Ich erinnere noch einmal an die Möglichkeit, dieMotive über STEADY zu unterstützen. Hilft. Immer.
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Dies war der dreizehnte Newsletter. Der nächste Newsletter erscheint. Bald. Im Februar.
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Nun bleibt mir nur noch, mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, die Zeit, die Rückmeldungen und die Begegnungen zu bedanken.
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Wer in irgendeiner Form mit mir/dieMotive kooperieren möchte, soll sich gerne melden. Ich kooperiere gerne. Und sonst was Maude sagt: Menschen sind meine eigene Spezies, die mag ich.
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