dieMotive Logo

Newsletter #15

Einen schönen guten Tag zusammen!
Newsletter #15 – ich freue mich, euch wieder zum Wunderwerk der Fotografie begrüßen zu dürfen. Der EMOP neigt sich dem Ende zu, die Fotografie bleibt. Viel gesehen, viel geredet, viel nachgedacht. Besonders beschäftigt hat mich in den letzten Wochen eine Frage, auf die ich im folgenden Text eingehen werde: Wie relevant ist Fotografie eigentlich noch – und für wen?
Eine große Frage, eine unmögliche Antwort. Wie ich darauf komme? Siehe unten.
Außerdem: Am Ende dieses Newsletters wartet die Enthüllung spannender Neuigkeiten. Dazwischen gibt es ein paar Events, eine großartige Arbeit zwischen Journalismus, Kunst und Aktivismus – sowie einen Klassiker des Fotobuchs.
Ich wünsche euch ein wundervolles und entspanntes Wochenende. Viel Spaß!

Und nun: Bitte unterstützen Sie so viel kostenfreien Text und Bild mit einer kleinen Spende – kann man hier bei Steady.

Fotofreie Creative Economy

Anfang März fand in Hamburg der GCES (German Creative Economy Summit) statt. Ich erfuhr zufällig über die Hamburg Kreativ Gesellschaft davon. Obwohl ich nicht zur Zielgruppe dieses Events gehöre und zunächst keinen Besuch in Erwägung zog, weckte die Ankündigung von über 120 Speakern mein Interesse. Ich dachte mir: „Mal sehen, was da so geboten wird.“

Auf der Webseite des GCES wurde die Veranstaltung als „größter nationaler Branchentreff der Kreativwirtschaft“ beworben – mit dem Anspruch, alle elf Teilmärkte abzudecken: Musik, Film, Buch, Presse, Architektur, Rundfunk, Darstellende Kunst, Design, Software & Games, Bildende Kunst und Werbung.

Na, was fällt hier auf? Ja, die Fotografie fehlt. Weder innerhalb der „Creative Economy“ noch unter den Speaker*innen war jemand mit expliziter Fotokompetenz vertreten.
Mein erster Gedanke war: „Pffff, macht ihr mal. Das passt irgendwie zur Hamburg Kreativ Gesellschaft, die nicht gerade für ihr Engagement im Bereich Fotografie bekannt ist.“ Doch dann machte sich eine gewisse Resignation breit. Ein selbsternannter „Creative Summit“ ohne Fotografie? Ist das fotografische Bild wirklich so irrelevant oder so selbstverständlich, dass es als eigener Themenschwerpunkt keine Rolle mehr spielt? Die naheliegende Behauptung, es sei durch Bildende Kunst und Design abgedeckt, greift zu kurz – schließlich könnte man mit derselben Logik argumentieren, dass Film in den Teilmärkten „Design“ oder „Presse“ mitgedacht ist.
Gerade die elf Teilmärkte des GCES sollten eigentlich beweisen, dass die Relevanz des fotografischen Mediums zugenommen hat. Kein Markt kommt ohne fotografische Bilder aus oder greift zumindest auf das visuelle Konzept der Fotografie zurück. Während der Deutsche Fotorat immerhin erreicht hat, dass die Fotografie als eigenständiger Bereich im Deutschen Kulturrat anerkannt wurde, sucht man sie in der „Economy“ weiterhin vergeblich als eigenständiges Medium.
Woran liegt das? Ich bin mir unsicher, ob Fotografie außerhalb der „Fotobubble“ noch als eigenständige Disziplin wahrgenommen wird. Es gibt keine eindeutigen Kausalitäten, aber einige auffällige Korrelationen: Viele Foto-Hochschulen verzeichnen einen drastischen Rückgang der Bewerberzahlen, die Tagessätze im angewandten und kommerziellen Bereich fallen wie Betrunkene auf Glatteis, und auch die Kulturförderung für Fotoprojekte scheint nicht gerade populär.

Als ich vor über 25 Jahren anfing, für einen Fotografen zu arbeiten, war der Beruf noch unglaublich cool und kreativ. Mittlerweile behaupte ich: Fotografie ist vielen Menschen egal. Zumindest ist das Berufsziel „Fotograf*in“ nicht mehr von dem Mythos des Künstlerdaseins umgeben, wie es das für mich einmal war.
Nun werden viele, die diesen Text lesen, meinen Podcast hören, meinen Newsletter abonnieren, Festivals besuchen, Ausstellungen sehen und Fotobücher kaufen, denken: „Neeee, Fotografie ist höchst relevant.“ Und das ist sie auch. Davon bin ich überzeugt.

Das fotografische Bild prägt die gesellschaftliche Kommunikation mehr als jedes andere Medium. Der Aufstieg generativer Bilder mittels KI ist untrennbar mit der Masse an fotografischem Material verbunden – ohne dieses wäre er nicht möglich. Auch der Andrang bei Ausstellungseröffnungen im Kunst- und Kulturbereich zeigt das Interesse nicht nur einer kleinen „Eingeweihten“-Gruppe.
Es geht hier nicht darum, die Relevanz der Fotografie zu beweisen. Jeder kann sie für sich selbst formulieren. Fest steht jedoch, dass die technische Seite des fotografischen Bildes nicht mehr als Impuls dient, um sich mit Bildinhalten zu beschäftigen. Früher war das anders. Die Photokina war in ihrer Hochphase eine Leistungsschau der Technik, die 180.000 Besucher aus aller Welt nach Köln zog und die Fotografie als Grundinteresse etablierte. Die Absage der Hamburger (schon wieder Hamburg – gibt es da Kausalzusammenhänge?) Photopia ist ein Symptom dafür, dass Fotografie für eine breite Masse nicht mehr von Interesse ist. Dagegen wirken die unzähligen Fotofestivals, Ausstellungen und Fotobücher wie eine 400er Ibuprofen nach einer Beinamputation.
Wer mir Pessimismus vorwirft und sagt, früher sei auch nicht alles besser gewesen, hat natürlich recht. Trotzdem wundere ich mich, dass sich die meisten Fotografieexpert*innen einig sind, dass Fotografie in ihrer Nutzung kaum zu überbieten ist, während sie außerhalb dieser Blase nur noch als Selbstverständlichkeit wahrgenommen wird. Auf dem German Creative Economy Summit wurden mit Sicherheit viele Präsentationen mit Bild-/Fotomaterial gehalten – aber über den Umgang mit fotografischen Bildern wurde wohl kaum gesprochen. Ist das schon Realpolitik oder einfach Ignoranz?

Abschließend ein Zitat von Yuval Noah Harari aus seinem großartigen Buch 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert – in einer eigenen, abgewandelten Version:
  • Meine Version: „Wenn Ihnen jemand die Gesellschaft beschreibt, wie sie Mitte des 21. Jahrhunderts kommunizieren wird, und die Fotografie dabei eine Hauptrolle spielt, dann ist es vermutlich falsch. Aber wenn Ihnen jemand die Welt Mitte des 21. Jahrhunderts beschreibt und das Fotografische gar keine Rolle spielt – dann ist es mit Sicherheit falsch.“

Ausstellungen und Events
bis zum 30.04.25

Die folgenden Empfehlungen und Nennungen speisen sich aus dem dieMotive-Veranstaltungskalender. Was eingetragen ist, kann auch genannt werden. Hier und auf Instagram.
Ab sofort ist der Eintrag auch mit Bildupload kostenlos.

staubfrei – analoge Fotografie

Inessa Siebert, still leben IV, 2023, Fotogramm

AUSSTELLUNGSERÖFFNUNG HEUTE Freitag, 28.03.2025 | 19 Uhr
Wo: PORT25 – Raum für Gegenwartskunst
Ort: Hafenstr. 25-27, 68159, Mannheim

Ein Grußwort spricht Carolin Ellwanger, Beauftragte für Bildende Kunst, Kulturamt der Stadt Mannheim. Die Einführung wird in Gebärdensprache übersetzt.
Mit Steffen Diemer, Frank Göldner, Markus Kaesler, Inessa Siebert, Daniel Stier

Die Ausstellung „staubfrei – analoge Fotografie“ vereint fünf Positionen der analogen Fotografie aus der Metropolregion,die jeweils ganz unterschiedliche Ansätze und Techniken verfolgen von der kameralosen Fotografie über historische Verfahren bis hin zur Farbfotografie. Es geht auch um das Hinterfragen von Sehgewohnheiten und überkommenen Vorurteilen. Damit steht „staubfrei“ in der Reihe von Ausstellungen des PORT25, die sich den unterschiedlichen Gattungen und der Auflösung ihrer Grenzen in der Gegenwartskunst widmen.
Die Ausstellung läuft bis zum 20.07.2025


Mehr dazu hier

Green Topographics – Fotoausstellung über den ökologischen und sozialen Wandel Bayerns

VERNISSAGE 03.04.2025 18:30 Uhr

Wo: Friedrich-Ebert-Stiftung München
Ort: Herzog-Wilhelm-Str. 1, 80331, München
Von Solar über Bienen, Flaschenwasser und Pilze als Rohstoff. Mit diesen und weiteren Themen haben sich Studierende der Hochschule München beschäftigt und Fotografische Arbeiten zum ökologischen und sozialen Wandel in Bayern erstellt. Diese werden vom 31.03 bis zum 28.05.2025 in der Friedrich-Ebert Stiftung München ausgestellt.

Vernissage: 3.04.2025, 18.30 Uhr
Laufzeit: 31.03. – 28.05.2025

Öffnungszeiten der Ausstellung:
Mo-Do 9.00-16.00 Uhr, Freitag 9.00-14.30 Uhr.
Gruppen ab 10 Personen können sich außerhalb der Öffnungszeiten auch gerne einen Besichtigungstermin über bayern@fes.de buchen.

Mehr Infos hier.

Fotokampagnen. Programmatik und Praxis kunsthistorischer Bilderproduktion

TAGUNG 02.-03.04.2025

Wo: Zentralinstitut für Kunstgeschichte, München, Raum 242 (2. OG)
oder ONLINE via Zoom
Die Tagung widmet sich der Erforschung und Diskussion historischer und zeitgenössischer Fotokampagnen für die Kunstgeschichte und angrenzende Wissenschaften. Ziel ist es, methodologische und theoretische Ansätze zu erarbeiten, um den Umgang mit dieser besonderen Form der Bilderproduktion – auch im Hinblick auf ihre Repräsentation im digitalen Raum – zu reflektieren. Beinahe jedes Einzelbild eines Kunstwerks oder Denkmals, das sich in kunsthistorischen Bildarchiven befindet, geht auf eine mehr oder weniger organisierte Kampagne zurück. Diese Entstehungskontexte bleiben jedoch sowohl bei der Nutzung von Reproduktionen als auch im Archiv weitgehend unsichtbar. Daher betrachtet die Tagung die jeweiligen Voraussetzungen, die strategische Rolle von Kampagnen, analysiert ihre Wirkung auf Forschung, Lehre, Konservierung, Museen und kommerziellen Gebrauch und beleuchtet die politischen und ideologischen Implikationen dieser Praxis. Besondere Aufmerksamkeit gilt den Fragen, wie Kampagnen Auswahlkriterien, Kanonbildung und Zugänglichkeit von Kunstwerken beeinflussen, welche technischen und organisatorischen Herausforderungen damit verbunden waren sowie sind, und mit welchen Bildern in der Zukunft Forschung gemacht wird.

In thematischen Sektionen werden historische Entwicklungen, interdisziplinäre Perspektiven und das Nachleben von Fotokampagnen in Archiven behandelt. Begleitet von einer Führung durch die Sammlungen der Photothek und einem abschließenden Expertengespräch fokussiert die Tagung auf die visuellen Prägungen und Bildkonventionen durch Fotokampagnen, die Verantwortung der kritischen Auseinandersetzung in bildwissenschaftlichen Forschungen sowie neue Zugänge durch die Digital Humanities. Dabei wird die Fotokampagne als zentraler Knotenpunkt für die Analyse kunsthistorischer Bildarchive positioniert. ORGANISATION: Franziska Lampe und Georg Schelbert, ZI München

Die Ausstellung läuft bis zum 08.03. und mehr Infos gibt es hier.

Michael Schölzel – Passionen

VERNISSAGE am 03.04. um 19:00 Uhr
Wo: Oberammergau Museum
Ort: Dorfstr. 8, 82487, Oberammergau
Fotografien der Passionsspiele 2022 und der Settimana Santa in Sizilien und Spanien 2017–2024
Das Oberammergau Museum zeigt ab Samstag, den 5. April 2025 die Ausstellung „Michael Schölzel – Passionen: Fotografien der Passionsspiele 2022 und der Settimana Santa in Sizilien und Spanien 2017–2024“. Fotograf Michael Schölzel war sieben Jahre lang auf den Spuren der Passion, des Leidenswegs Christi unterwegs und folgte darin zugleich seiner eigenen Passion, indem er die Geschichten der Menschen in Oberammergau, Sizilien und Spanien mit der Kamera einfing. Die Ausstellung in Kooperation mit dem Atelier André Kirchner markiert die Halbzeit zwischen den Passionsspielen in Oberammergau und wird im Anschluss in Berlin zu sehen sein.

Die Ausstellung läuft bis zum 25.05.

Infos HIER.

Who needs context anyway?

VERNISSAGE 12.04.2025 16 Uhr
Wo: Modularfield
Ort: Berliner Straße 63, 51063, Köln
Im Rahmen des Record Store Day präsentiert Modularfield vom 12.04. – 03.05.2025 eine Ausstellung von Boris Dörning über Fotografie. Fotografie entfaltet ihre volle Wirkung erst in einer Serie, in der sich Bilder ergänzen, kontrastieren und miteinander in Beziehung treten. Jedes Foto sollte außerhalb seines ursprünglichen Kontextes bestehen können und in neuen Kombinationen unerwartete Bedeutungen offenbaren. Who needs context anyway?

Die Ausstellung läuft bis zum 03.05. und mehr Infos gibt es hier.

OPEN CALL

Game On! Ausschreibung BFF-Förderpreis 2025/26

BFF Förderpreis
Der Berufsverband Freie Fotografen und Filmgestalter e.V. (BFF) lobt unter dem Motto »Spielen« den renommierten »BFF Förderpreis 2025/26« für Nachwuchsfotograf:innen in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus. Der Open Call läuft bis zum 1. Mai 2025 und richtet sich erstmals an alle angehenden Berufsfotograf:innen, Young Professionals und Studierende bis 30 Jahre aus allen Berufsfeldern der Fotografie.
Gesucht werden die zwölf besten Nachwuchsfotograf:innen, die auf kreative Weise eigenständige Sichtweisen zum Thema „Spielen“ in Szene setzen und inspirierende Denkanstöße geben.
Die von einer Fachjury ausgewählte Teilnehmer:innen werden jeweils von Mentor:innen und in Workshops begleitet. Sie können ihre Ideen mit einer finanziellen Förderung von 1.000 Euro produzieren und in einer Ausstellung und dem BFF-Förderpreis-Magazin präsentieren.

Die Preisverleihung und Ausstellungseröffnung findet zum Auftakt des Umweltfotofestivals »horizonte zingst« 2026 statt.
Mehr Informationen zum BFF-Förderpreis 2025/26 unter www.foerderpreis.bff.de

PORTFOLIO

Michel Kekulé 50_15

Es war EMOP in Berlin. Man ist mehrere Tage unterwegs, schaut sich Ausstellungen an, führt Gespräche, freut sich über gute Arbeiten, Bücher und so manches, was man entdeckt. Doch dass mich in einer Ausstellung (Meet me Halfway), die Arbeiten von Studierenden verschiedener Hochschulen zusammenfasst, eine Arbeit so unmittelbar und nachhaltig beeindruckt, ist selten. Schon Sekunden nach Betreten des sehr kleinen Raums war für mich klar: Dies ist eine Arbeit, die ich nicht mehr vergessen werde.
Eine Ausstellungsansicht der Arbeit 50_15

Michel Kekulé, Ansicht eines Teils der Arbeit 50_15 während der EMOP-Ausstellung "Meet me halfway"

Michel Kekulé begleitete im Frühjahr 2022 als Fotograf eine Rettungsmission der Sea-Watch 3 vor der libyschen Mittelmeerküste – eine Leistung, die an sich bereits Anerkennung verdient. Doch was er fotografiert hat und wie er es getan hat, ist noch beeindruckender. Die Arbeit 50_15 verweist bereits im Titel auf eine bedrückende Zahl: Während dieser Mission kamen 15 Geflüchtete ums Leben.
Kekulé nutzt die Fotografie, um sich dem Thema, den Protagonist*innen, der Situation – und auch sich selbst – zu nähern. Doch es geht hier nicht um das persönliche Schicksal der Abgebildeten allein. Vielmehr gelingt es ihm, das gesamte Ausmaß dieser Katastrophe zu fassen. Die Form der Präsentation trägt entscheidend dazu bei: Wie ein Monolith hängt der Bilderblock an der Wand, die zurückhaltenden schwarzen Rahmen auf Stoß montiert.
Sofort wird klar: Dies ist keine schnelle Story – dies ist eine Tragödie.
Eine chaotische Situation während der Überfahrt vor der libyschen Küste.
Die Art, wie Kekulé die sichtbaren Personen und Situationen fotografiert, zeugt von außergewöhnlicher Sensibilität. Die Bildausschnitte sind so dicht, dass es kaum auszuhalten ist – ganz nah dran, aber ohne sich in Chaos oder Voyeurismus zu verlieren.
In der Ausstellung geschieht alles gleichzeitig; eine lineare Erzählweise wäre hier nur hinderlich. Ich habe mir vorgestellt, wie diese Arbeit als Buch funktionieren könnte – es müsste wohl ein gewaltiger Brocken werden. Doch eigentlich braucht es nicht viele Bilder, um die Betrachtenden mitten in die Szene zu katapultieren.
Oft wird diskutiert, ob Fotojournalist*innen sich lediglich an einer Situation bedienen, anstatt wirklich zu helfen (eine Sichtweise, die ich nicht teile). Doch hier sei gesagt: Michel Kekulé ist ausgebildeter Notfallsanitäter. Nach einer kurzen Rückfrage wurde klar: Während der Rettungsmission musste er die Kamera zur Seite legen, um als Sanitäter tätig zu werden.

Selten hat mich eine Arbeit fotografisch, künstlerisch, technisch und menschlich so beeindruckt. Ein Beispiel dafür, was Menschen sein können.
Ein Foto zweier geflüchteter von Michel Kekulé
Ein Mensch droht zu ertrinken und wird gerettet.

Mehr von Michel gibt's hier.

Fotobuch

EVIDENCE – Mike Mandel & Larry Sultan
Evidence by Mike Mandel and Larry Sultan
Hä? Evidence von Mandel und Sultan? Ist das nicht ein uralter Hut von 1977? Klar.
Halte ich es trotzdem für eines der bedeutendsten Fotobücher der Geschichte? Ja. Ich glaube dafür wurde das Wort kanonisch erst geschaffen.
Wie schreibt man darüber, ohne alles zu wiederholen, was bereits dazu gesagt wurde? Keine Ahnung.
Ich habe lange überlegt, ob ich dieses Buch hier erwähnen soll – und mich schließlich dafür entschieden. Denn wenn ich nur ein einziges Fotobuch aus einem brennenden Haus retten dürfte, dann wäre es dieses.
Evidence by Mike Mandel and Larry Sultan
Zum Inhalt: Mike Mandel und Larry Sultan haben in Evidence etwa 60 unkommentierte Fotografien versammelt, die aus den Archiven von 77 Regierungsbehörden, Bildungseinrichtungen und Unternehmen stammen – ohne Kontext, ohne narrative Vorgabe. Außer dem Titel Evidence gibt es keinen Hinweis darauf, was diese Bilder eigentlich zeigen. Genau das macht das Buch so außergewöhnlich: Man ist vollkommen allein mit der Deutung und Interpretation.
Dieser fast zynische Kommentar zur Autorität und angeblichen Beweiskraft der Fotografie lässt mich jedes Mal schmunzeln, sobald ich das Buch aufschlage. Jede Doppelseite ist ein Traum von einem Diptychon – und zugleich ein subtiler Kommentar zur technologischen Utopie, die sich in diesen Archiven manifestiert. Wer das ebenfalls schätzt, dem empfehle ich natürlich gerne noch einmal die Arbeit Ways of Knowing von Daniel Stier sowie die Archivarbeiten von Peter Piller. Auch so manches Fotobuch von Erik Kessels lohnt sich in diesem Kontext.

Dass ich dieses Buch genau heute im Newsletter erwähne, ist kein Zufall: Es war ein Geburtstagsgeschenk eines guten Freundes, der um meinen Wunsch nach diesem Buch wusste – und mir sein eigenes Exemplar geschenkt hat.
Mein lieber Andi, danke. Und da du heute Geburtstag hast: Alles Liebe zum Geburtstag!
Evidence by Mike Mandel and Larry Sultan
Evidence by Mike Mandel and Larry Sultan

Eigene Sachen

HEARTBEAT PHOTO

Im letzten Newsletter hatte ich zwei brandheiße Neuigkeiten angekündigt. Heute kann ich zumindest eine davon offiziell verkünden. Wer es noch nicht über die diversen Social-Media-Kanäle mitbekommen hat: Mein Projektantrag für die HEARTBEAT PHOTO Förderung des Freundeskreises des Hauses der Photographie wurde ausgewählt! Damit steht ein neues Projekt auf meiner Liste.
Beworben habe ich mich mit der Idee eines PHOTO ARCHIVE HAMBURG.
„Photo Archive Hamburg“ ist – bzw. wird – eine digitale Plattform, die das visuelle Gedächtnis der Stadt bewahrt. Ziel ist es, fotografische Arbeiten zu sammeln, die verschiedene Perspektiven auf das urbane Leben, die Architektur und die gesellschaftlichen Facetten Hamburgs dokumentieren. So stand es im Antrag – und so ist es auch gedacht.
Natürlich gibt es bereits ähnliche Konzepte in Deutschland. Ein prominentes Beispiel ist das Pixelprojekt Ruhrgebiet, das seit 2003 existiert. Das habe ich auch im Antrag explizit so benannt.
Ich freue mich sehr über die Förderung, bin mir aber auch bewusst, dass die Fördersumme von 4.500 € maximal als Anschubfinanzierung dient, um das Projekt vorzubereiten und weiter zu präzisieren. Es bleibt spannend!
Und die andere weltverändernde Neuigkeit?
Tja, die ist fast spruchreif – nur noch ein paar Tage, vielleicht kommende Woche. Dann wird es offiziell.
So viel kann ich schon verraten: Es gibt Gründe, weshalb der dieMotive-Podcast nicht mehr ganz so regelmäßig erscheint, wie ich es mir wünschen würde. Und da ich nie müde werde, noch etwas anderes, zusätzliches, neues, besseres, schöneres, ruhigeres, interessanteres zu finden, woran ich teilhaben kann, ist auch diese Sache einfach eine weitere spannende Ergänzung. Und ich freue mich riesig darauf.
Freut euch mit mir – kommende Woche! ;-) Ich werde dazu auch einen kurzen Sondernewsletter schicken.

FOTOQUIZABEND

Habe ich etwas vergessen? Garantiert. Kauft das Kartenquiz! Denn dann könnt ihr euch auf den großen Fotoquizabend vorbereiten. Dieser findet Anfang Mai statt. Wie und wo und wann, dazu dann mehr im kommenden Newsletter.

FOTOGRAFENRATEN* Kartenquiz

FOTOGRAFENRATEN* ist ein Kartenquiz für alle, die sich mit Fotografiegeschichte auskennen oder ihr Wissen erweitern und auffrischen wollen.

Das Ziel des Spiels ist es, sich Fotografie(n) über Erinnerungs- und Vorstellungsbilder zu nähern und nebenbei sein Wissen über Fotografie zu erweitern. Zu jeder Karte mit kurzen Bildbeschreibungen ist die Fotografin oder der Fotograf des jeweiligen Fotos zu erraten.

Es können beliebig viele Personen mitspielen: zu zweit, alleine oder in Gruppen.

Lieferzeit ca. 1-3 Werktage

Inhalt: 45 Karten.

43 Karten mit Bildbeschreibungen, eine Karte mit Bildtitel und eine Karte mit Spielvarianten.

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird das generische Maskulinum verwendet. Selbstverständlich schließt der Titel alle Genderidentitäten mit ein.

11,90 Ursprünglicher Preis war: 11,90 €9,90 Aktueller Preis ist: 9,90 €.

Jetzt kaufen
FOTOGRAFENRATEN* Kartenquiz
Du hast bis hierher gescrollt. Schön. Ich erinnere noch einmal an die Möglichkeit, dieMotive über STEADY zu unterstützen. Hilft. Immer.
Bis dahin,

Liebe Grüße

Alex



Feedback, Anmerkungen, Hinweise und Sonstiges bitte an info@diemotive.de
Dies war der fünfzehnte Newsletter.
Der nächste Newsletter erscheint. Bald. Im April.

Nun bleibt mir nur noch, mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, die Zeit, die Rückmeldungen und die Begegnungen zu bedanken.

Wer in irgendeiner Form mit mir/dieMotive kooperieren möchte, soll sich gerne melden. Ich kooperiere gerne. Und sonst was Maude sagt: Menschen sind meine eigene Spezies, die mag ich.
Email Marketing Powered by MailPoet