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Bulletin #21

Herzlich willkommen und guten Morgen.
So startet man gut in den Tag: mit Fotografie und Unwichtigkeiten.

Neulich las ich, dass Netflix die ominöse Doku The Stringer ins Programm aufgenommen hat. Selten war ich so unschlüssig, ob mich das nun interessiert oder ob es mir schlicht egal ist.
Für alle, die es nicht mitbekommen haben: In der Doku sollen ernsthafte Zweifel an der Autor*innenschaft des weltberühmten Napalm Girl-Bildes gesät werden. Aber irgendwie hat die Doku kaum jemand gesehen. Diskutiert wurde trotzdem viel. Und World Press Photo hat Nick Út kurzerhand die Autorschaft entzogen, wenn man das so sagen kann. Dort steht nun: Authorship disputed! – Aha. Aber so ganz klar scheint die Sache ja doch nicht zu sein.
Und mal ehrlich: Wen interessiert das eigentlich? Das Bild stammt aus dem Jahr 1972. Wenn sich die Autor*innenschaft, über die schon öfter diskutiert wurde, bis heute nicht eindeutig klären ließ, woher sollen jetzt plötzlich stichhaltige Beweise auftauchen? Ich bin schon jetzt vorsorglich enttäuscht von der Doku. Mehr als ein paar Vermutungen und ein „nicht mehr ganz so wahrscheinlich“ wird da wohl kaum herauskommen.

Kurze Frage zur Plausibilität: Wie ist dieses Bild damals eigentlich von der Entstehung bis zur Veröffentlichung gelangt? Irgendwer muss es doch fotografiert, entwickelt, abgegeben, verschickt haben usw. Es ist ja nicht einfach so plötzlich auf einer Zeitungsseite erschienen. Klingt für mich bisher eher nach Beschäftigungstherapie für pensionierte und gelangweilte Fotohistoriker:innen.

Werde ich mir die Doku anschauen, wenn sie auf Netflix verfügbar ist? Klar, aber nur, um mich hinterher darüber aufzuregen, dass ich sie geschaut habe. Und ja, ich werde mich dann genau hier darüber auslassen. Versprochen. Das wird ein Spaß.
Bessere Dokus (das weiß ich schon jetzt) sind übrigens die Reihe Contacts von Arte und Genius of Photography von der BBC. Beide zwar schon älter und sicher ergänzungsbedürftig, aber trotzdem gut.
Übrigens hat Netflix mit der Auswahl von Platon als einzigem Fotografen in der Dokureihe Abstrakt: The Art of Design schon einmal gar kein gutes Händchen bewiesen. Es gibt Billionen interessanter und relevanter Künstler:innen auf diesem Planeten – und Netflix so: „Äh, wir nehmen Platon.“ Egal.

Weiter geht’s mit einer Anmerkung zum Falz, ein paar Ausstellungen und dem Hinweis auf die Ausschreibung des neu (von mir) gegründeten Photo Archive Hamburg. Siehe unten. Alles andere auch.
Habt Spaß.


Schengener Abkommen

Meistens fällt es überhaupt nicht auf – die Ergänzung fehlender Inhalte ist schließlich ein psychologisches Phänomen. Das Gesetz der Geschlossenheit hilft uns, bei unvollständigen Informationen das Gesamtbild zu vervollständigen. Das mag in den meisten Alltagssituationen ein Vorteil sein, bei der Betrachtung fotografischer Bilder wirkt es allerdings kontraproduktiv. Da geben sich das Gesetz der Geschlossenheit, die Attenuationstheorie und die latente Hemmung die Hand, um gemeinsam ein fröhliches Frühlingspicknick im Gehirn zu veranstalten.

Allzu gerne wird ein Bild einfach über den Falz gesetzt und dieser damit fast plump ignoriert. Falz hin oder her. Weshalb man so gemein zu einem Bild sein kann, kann ich mir nicht erklären. Als wäre ein Schnitt und dieser tiefe Graben in der Buchmitte keine naturgegebene Materialgrenze, die es möglichst nicht zu überschreiten gilt. Anscheinend sind Buchseiten Teil der Schengener Abkommen. Theoretisch gibt es da eine Grenze, aber Zoll wird nicht bezahlt, kontrolliert auch nicht. Geografisch eine gute Sache, im Buch zahlt man aber manchmal, je nach Art der Bindung, bei der Grenzüberschreitung mit einem Informationsverlust. Und immer mit einer sichtbaren Teilung. Zwei Teile, zwei neue Formate, Seitenverhältnisse und Bildinhalte. Es kommt selten vor, dass der Falz bewusst eingesetzt wird, um die gewollte Aufteilung eines Querformats in zwei Einzelbilder subtil zu unterstreichen.

Ich wage nun die Aufstellung einer steilen These: Seit dem Siegeszug des Desktop-Publishing hat sich diese seltsame Form des Layoutens exponentiell vermehrt. Da wird einfach auf zweidimensionaler Ebene am Bildschirm zusammengeschoben, was irgendwie passt. Der dünne Strich, der in den jeweiligen Programmen den Falz markiert, wird da schon nicht mehr wahrgenommen. Sollte es dann mal zu einem Buchdummy kommen, winkt man gerne einmal hinüber zu dem Picknick der verschiedenen psychologischen Verdrängungs- und Wahrnehmungstheorien. „Einen Falz? Sehe ich nicht. Sieht doch aus wie auf dem Bildschirm. Machen wir so.

Hallo? Wo kommen wir denn da hin, wenn fotografische Bilder keine gesamtbildliche Berechtigung mehr haben? Sind nur Teile des Bildinhalts wichtig? Layout vor Bild also? Man könnte nun anführen, dass das Fotobuch-Schengen-Abkommen auch durch viele Produktionsmöglichkeiten unterstützt wird, die eine mögliche Grenze nur noch zu einem Strich in der Landschaft machen.
Natürlich macht eine solche Grenzüberschreitung ein gutes Fotobuch nicht zwingend zu einem schlechten Fotobuch. Ärgerlich ist es jedoch schon, dass wunderbare Arbeiten, die in einer Ausstellung fein säuberlich editiert, kuratiert, gerahmt und präsentiert werden, in einem Fotobuch dann deutlich anders behandelt werden. Es ist mir noch nie untergekommen, dass einzelne Bilder einer Arbeit auch an der Wand durch einen Schnitt zerteilt würden. Dafür wird es gute Gründe geben. Ein Querformat besteht schließlich nicht aus zwei Hochformaten. Oder manchmal gar aus einem resultierenden Querformat und einem sehr schmalen Hochformat.
Ja, es ist nicht immer zu vermeiden und ein Falz gehört nun mal zu einem Buch dazu. Da muss man dann wohl durch – oder besser: drüber. Korrekt. Aber bitte dann wenigstens die richtige Bindung für das Buch wählen. Bezeichnenderweise heißt die auch Layflat-Bindung. Eine Schweizer Broschur ist ebenfalls eine Lösung. Kostet natürlich alles etwas mehr.
Wie das mehr oder weniger gut umgesetzt werden kann, lässt sich wunderbar im Projekt „Einige Fotobücher, einige Gedanken“ von Elisabeth Neudörfl und Andreas Langfeld nachverfolgen. In regelmäßig unregelmäßigen Abständen besprechen die beiden dort (Youtube) Fotobücher. Flach auf dem Tisch liegend, kann man den beiden beim Durchblättern folgen. Zu sehen ist nur das Buch und die blätternden Hände. Auch wenn beide den Fokus auf die inhaltliche Besprechung der jeweiligen Arbeit legen, bietet das Projekt gleichzeitig die Möglichkeit, zwischen beinahe historischen Fotobüchern (Berenice Abbott) und zeitgenössischen Arbeiten (Susanne Keichel) auch ein wenig die Gestaltungsmöglichkeiten von Fotobüchern zu betrachten.
EFEG #17 Berenice Abbott / Changing New York

Screenshot aus dem Video "EFEG #17 Berenice Abbott / Changing New York"

EFEG #15 Susanne Keichel / Schule. Soziale Gerechtigkeit Teil 1

Screenshot aus dem Video "EFEG #15 Susanne Keichel / Schule. Soziale Gerechtigkeit Teil 1"

Dass hier Abbott und Keichel direkt genannt werden, hat einen guten Grund: Sie können exemplarisch zur Bebilderung meiner Anmerkung dienen. Bei Berenice Abbott wurde sogar das Querformat gedreht, um es nicht durch den Falz zerschneiden zu lassen, bei Keichel dagegen kommt es vor, dass ein Bild in ¾ zu ¼ geteilt wird – begründet durch die konsequente Nutzung der Bildgröße und des entstehenden Weißraums. Was ausgerechnet ihren Bildern nicht wirklich gut steht. Die großartige Susanne Keichel hat mit der noch besseren Arbeit „Schule. Soziale Gerechtigkeit“ eine sehr präzise Form vorgelegt, deren Präsentation während des letzten EMOP in Berlin wirklich toll war. Die Bilder standen für sich, lesbar als Einzelbilder und in ihrem Zusammenhang. In Triptychen und Diptychen sortiert, war in dieser Arbeit das Grundvertrauen in das fotografische Bild sofort erkennbar. Umso mehr hat es mich überrascht, dass ausgerechnet diese sehr gut fotografierte Arbeit im Buch den Falz nahezu ignoriert. Das schmälert die Arbeit zwar nicht in großem Ausmaß, aber es war eben nicht mehr ganz so schön anzusehen. Nur damit das Bild ein paar Zentimeter größer ist und das Format eingehalten werden kann? Einen anderen Grund kann ich nicht finden.

Diese Anmerkungen sollen kein Aufruf sein, die Seiten eines Fotobuchs pedantisch als Einzelseiten zu nutzen. Trotzdem darf darauf hingewiesen werden, dass das Material und die Form eines Buches als eigenständiger Komplex zu sehen sind und dass eine Linie im Layoutprogramm später schnell zu einem Graben wird, dessen Grenzfunktion auch gerne einmal respektiert werden darf. Außer man findet gute Gründe, die Notwendigkeit der visuellen Teilung eines Bildes in der Entscheidungshierarchie weit über den Respekt vor der eigenen Fotografie anzusiedeln.

Oder man hofft, es fällt niemandem auf und der im Graben liegende Bildinhalt wird durch das Gesetz der Geschlossenheit ergänzt.

Im Zweifel: Lasst die Bilder ganz!

Zum dem schönen Projekt "Einige Fotobücher, einige Gedanken" geht es hier.

Ausschreibungen

Deutscher Jugendfotopreis startet in das neue Wettbewerbsjahr

Jahresthema 2025/26: „Ein Haus, Ein Boot, Ein Auto"
Mit dem Jahresthema „Ein Haus, Ein Boot, Ein Auto“ lädt der Deutsche Jugendfotopreis junge Menschen bis 25 Jahre dazu ein, über ihre Bilder und Fotografien von Besitz, Gerechtigkeit und Zukunftsträumen zu erzählen. In den Kategorien „Freie Themenwahl“ und „Experimente“ haben alle Teilnehmer*innen die Möglichkeit, unabhängig vom Jahresthema ihre Arbeiten zu zeigen. Die Ausstellung der Preisträger*innen wird im kommenden Jahr im KIT – Kunst im Tunnel in Düsseldorf gezeigt. Einsendeschluss ist der 2. Februar 2026. Mehr Infos: Deutscher Jugendfotopreis

Erste Ausschreibung des neuen PHOTO ARCHIVE HAMBURG

Das neue Photo Archive Hamburg startet vom 01. Oktober bis zum 01. Dezember 2025 seine erste Ausschreibung. Ziel des Projekts ist es, fotografische Arbeiten zu sammeln, die verschiedene Perspektiven auf das urbane Leben, die Architektur und gesellschaftliche Facetten Hamburgs dokumentieren. Photo Archive Hamburg ist nicht nur eine digitale Plattform, sondern auch ein langfristiges Projekt, das den Austausch zwischen Fotograf:innen, der Stadtgesellschaft und Institutionen fördert. Perspektivisch sind zudem Screenings und Ausstellungen geplant, die ausgewählte Arbeiten über den digitalen Raum hinaus sichtbar machen.
Gesucht werden fotografische Serien mit bis zu 20 Bildern, die Hamburg in dokumentarischer, künstlerischer, konzeptueller, aktivistischer oder journalistischer Form zeigen. Die Arbeiten sollten aus den 1980er Jahren bis heute stammen und einen klaren Bezug zur Stadt haben. Weitere Details zur Einreichung finden Interessierte auf der Projektwebseite: www.photoarchivehamburg.com

Photo Archive Hamburg ist ein Projekt, das mit Fördermitteln der Heartbeat-Förderung des Freundeskreises der Fotografie der Deichtorhallen ins Leben gerufen wurde. Ziel ist es, die visuelle Kultur Hamburgs zu bewahren, die künstlerische Auseinandersetzung mit der Stadt zu fördern und langfristig ein wachsendes Archiv relevanter fotografischer Positionen zu etablieren.

Was noch läuft und bald endet.

ANDREAS HERZAU – SCHTUKY

Endet: 19.10.2025
Wo: FREIE AKADEMIE DER KÜNSTE IN HAMBURG E.V.
Ort: Klosterwall 23, 20095, Hamburg

STILLNESS

Endet: 11.10.2025
Wo: Simone Klein Showroom Fotografie
Ort: Gutenbergstraße 48, 50823, Köln-Ehrenfeld
Fotografien von Helga und Victor von Brauchitsch

JAHRGANG 20 – Ostkreuzschule für Fotografie

Endet: 05.10.2025
Wo: CANK
Ort: Karl-Marx-Straße 95, 12043, Berlin

ANZEIGE

Ausstellungen und Events bis zum 31.10.25

Die folgenden Empfehlungen und Nennungen speisen sich aus dem dieMotive-Veranstaltungskalender. Was eingetragen ist, kann auch genannt werden. Hier und auf Instagram.
Ab sofort ist der Eintrag auch mit Bildupload kostenlos.

Walk good, be kind

VERNISSAGE
Wann: 02.10.2025
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Wo: AFF GALERIE
Ort: Kochhannstrasse 14, 10249, Berlin
@ Maximilian Gödecke

@ Maximilian Gödecke

Im Frühjahr 2024 machten sich die Fotografen Philipp Czampiel und Maximilian Gödecke auf, den „Wanderweg der Deutschen Einheit“ zu begehen – 1.080 Kilometer von Aachen bis Görlitz, quer durchs Land. Philipp, im Westen aufgewachsen, ging gen Osten. Maximilian, im Osten aufgewachsen, ging gen Westen. Zwei gegenläufige Bewegungen, die sich spiegeln, berühren und wieder voneinander lösen.
Anlässlich des 35. Jubiläums der Wiedervereinigung und zum Abschluss des ersten Teils ihrer Reise, bevor sie Deutschland von Nord nach Süd durchqueren, zeigen Philipp Czampiel und Maximilian Gödecke eine Auswahl ihrer Fotografien in der AFF Galerie e.V. in Friedrichshain.
Im Zentrum dieser Ausstellung stehen fotografische Positionen zur gesellschaftlichen Stimmung rund dem Wandel im Land, die von Begegnungen am Straßenrand, von Misstrauen in Blicken und vom Vertrauen, das sich hinter fremden Türen zeigte, erzählen.

Mehr HIER.

FOTO WIEN 2025

OPENING
Wann: 03.10.25
Uhrzeit: 19:00
Wo: FOTO ARSENAL WIEN
Ort: Arsenal Objekt 19A, 1030, Wien
Marie Tomanova, Kate and Odie, 2017 © Marie Tomanova

Marie Tomanova, Kate and Odie, 2017 © Marie Tomanova

Am 3. Oktober 2025 eröffnet das FOTO ARSENAL WIEN die FOTO WIEN 2025 und die Ausstellung „Science/Fiction – A Non-History of Plants“.

19:00 Uhr Einlass
19:30 Uhr Eröffnungsreden

​Im Anschluss
Musical curation by RADIO RUDINA:
​20:00 Uhr I 8 p.m. Beaks
21:00 Uhr I 9 p.m. YPSY
22:00 Uhr I 10 p.m. HOLY LOLLY (Gaze)
00:00 Uhr I 12 a.m. Rumi de Baires (Gaze)
Party und Drinks
Freier Eintritt
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»Time and Again«

VERNISSAGE
Wann: 04.10.2025
Uhrzeit: 18:30 Uhr
Wo: FOTOHOF
Ort: Inge-Morath-Platz 1–3, 5020, Salzburg

Eugenia Maximova, aus der Serie: »Silent River«, 2023

Die Ausstellung »Time & Again« führt vier autobiografische Erzählungen zusammen, die von politischen Entscheidungen, gesellschaftlichen Machtverhältnissen und historischen Umbrüchen geprägt sind. Recherchen führen die Fotografinnen zurück an die Orte der Erinnerung; sie dokumentieren Spuren, die von Gewalt, Unterdrückung und sozialer Ungerechtigkeit bleiben. So entstehen mediale Räume, die nicht nur von persönlichen Schicksalen erzählen. Sie thematisieren auch die Folgen ausgeübter Macht und systemischer Gewalt, die sich ins Private einschreiben.

Programm Lange Nacht der Museen:
18:30 Eröffnung der Ausstellung »Time & Again«
Eröffnung der Ausstellung »Photographing Photography«
20:00 Künstlerinnengespräch »Motherland hears, Motherland knows« Dasha Karetnikova im Gespräch mit Andrew Phelps (FOTOHOF)
unter Teilnahme unserer Projektpartner:innen von Artists Solidarity Program Europe (ASoP): Sepp Schellhorn (Staatssekretäfr BMEIA), Helga Rabl-Stadler, Simon Mraz (Mitgründer:innen ASoP)
21:30 Performance von Fungi Phuong Tran Minh
Mehr dazu HIER.

»Photographing Photography«

VERNISSAGE
Wann: 04.10.2025
Uhrzeit: 18:30
Wo: FOTOHOF>STUDIO
Ort: Inge-Morath-Platz 1-3, 5020, Salzburg
Kuratiert von Agnes Matthias (Deutsche Fotothek, Dresden) und Karen Weinert (bautzner69/publish&print, Dresden).
Die Ausstellung geht der Frage nach, wie die Fotografie im Medium selbst sichtbar gemacht wird. Die Exponate decken in Form einer Installation etwa 100 Jahre der vor-digitalen Ära ab. Die Auswahl basiert auf der thematischen Sichtung der Sammlung der Deutschen Fotothek mit rund 6 Millionen Fotografien. Gezeigt werden die fotografische Situation und Praxis, Technik und Material sowie Studios und Schaukästen als Orte von Produktion und Distribution. Häufig haben Fotograf:innen diese Sujets bewusst gesucht, in Reflexion ihres eigenen Tuns, manchmal sind sie unbeabsichtigt zum Bildgegenstand geworden.

Gespräch: Fotografie und Archiv
17.10.2025 um 18.00 Uhr, anschließend Midissage der Ausstellung

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Nikita Teryoshin: Nothing Personal. The Back Office of War

VERNISSAGE
Wann: 04.10.2025
Uhrzeit: 19:00
Wo: Stadthaus Ulm
Ort: Münsterplatz 50, 89073, 89073 Ulm, Baden-Württemberg
Nikita Teryoshin widmet sich in seiner fotografischen Arbeit den absurden, oft übersehenen Seiten des modernen Lebens. Mit einem feinen Gespür für Ironie und visuellen Witz dokumentiert er gesellschaftliche Widersprüche, Machtstrukturen und ökonomische Zusammenhänge – sei es in der Landwirtschaft, auf Reisen oder im urbanen Alltag. Sein Stil kombiniert dokumentarische Präzision mit surrealer Überzeichnung und einer eigenwilligen, oft humorvollen Bildsprache.
Besonders große Aufmerksamkeit erregte zuletzt seine Langzeitserie Nothing Personal: The Back Office of War, in der Teryoshin seit 2016 die verborgene Welt der globalen Rüstungsindustrie dokumentiert – genauer gesagt jene exklusiven Waffenmessen, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfinden. Für dieses Projekt reiste er in 17 Länder auf fünf Kontinenten und erhielt Zugang zu einer Branche, die sonst hinter verschlossenen Türen operiert. Was dort verhandelt und präsentiert wird, findet später seinen Weg in bewaffnete Konflikte rund um den Globus. Die Bilder, die Teryoshin dabei festhält, stehen in starkem Kontrast zu den vertrauten Darstellungen von Krieg und Zerstörung. Statt Blut, Leid und Ruinen zeigt er die makellosen Kulissen eines milliardenschweren Geschäfts: Messehallen, in denen frisch polierte Waffen neben Wein und Fingerfood präsentiert werden; Panzer und Raketenwerfer, die im atmosphärischen Licht glänzen; Deals, die in entspannter Lounge-Atmosphäre angebahnt werden. Diese Szenerien erinnern an überdimensionierte Spielplätze für Erwachsene, auf denen tödliche Technologien wie harmlose Konsumgüter erscheinen.

Kuratiert von Daniela Yvonne Baumann

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FOTOTREFF #44: Banden bilden. Fotografische Initiativen in Berlin

TALK
Wann: 11.10.2025
Uhrzeit: 18:00
Wo: Sankt Studio
Ort: Mittenwalder Straße 15, 10961, Berlin

KI-Generiert: erstellt mit Sora (Open AI), Prompt: "fotografie. angeblitz. ein schwarm papageien im baum. very friendly, different colors.", 2025

Die 44. Ausgabe des FOTOTREFF steht im Zeichen der Gemeinschaft: Wir laden verschiedene fotografische Initiativen, Kollektive und Vereine aus Berlin ein, ihre Arbeit vorzustellen und ihre Perspektiven einzubringen. Neben Institutionen und Hochschulen sind es vor allem diese Zusammenschlüsse, die den fotografischen Diskurs maßgeblich prägen und mitgestalten. Der Abend bietet Raum für Begegnung, Dialog und Vernetzung – und macht sichtbar, wie lebendig und vielfältig die Berliner Fotoszene ist.
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Stuke, Sieber, Takano: Towards the City

VERNISSAGE
Wann: 11.10.2025
Uhrzeit: 16:00 Uhr
Wo: Projektbüro DFI e.V.
Ort: Eiskellerberg 1, Düsseldorf, 40213

Katja Stuke, Oliver Sieber, from: Le Monde de Demain, 2024 (9-channel-video)

„Los Angeles, it is said, is the most photographed city in the world – but it’s one of the least photogenic. It’s not Paris or New York.“ So beginnt die Stimme aus dem Off in Thom Andersens Film Los Angeles Plays Itself (2003). Die Stadt als Projektionsfläche: Hollywoods Bühne, die universelle Metropole, die im Kino aussehen kann wie Texas, die Schweiz, China oder das antike Rom. Andersen montiert Sequenzen aus ganz unterschiedlichen Filmen, während die Stimme fortfährt: „Of course I know movies are not about places – they’re about stories. If we notice the location, we’re not really watching the movie.
Wie lenkt der gebaute Raum den fotografischen Blick – und wie beeinflusst die Fotografie das Bild der Stadt?
Mit der Ausstellung Towards the City von Katja Stuke, Oliver Sieber und Ryudai Takano rückt das fotografische Bild urbaner Räume in den Mittelpunkt. Gezeigt werden Arbeiten aus Paris und Tokio.

Auf Einladung von Stuke und Sieber nimmt der in Tokio lebende Fotograf Ryudai Takano (*1963) an der Ausstellung teil. Seit fast drei Jahrzehnten arbeitet er an der Serie kasubaba – einer fortlaufenden Sammlung von Beobachtungen des Stadtraums –, aus der in der Ausstellung 48 Fotografien zu sehen sind. Seine Aufnahmen verdichten Hausfassaden, Verkehr, Stromleitungen, Zebrastreifen, Plakatwände, Leuchtreklamen und vorbeiziehende Passanten zu präzisen visuellen Strukturen.

Programm:
Do, 9. Okt, 20 Uhr: Screening Los Angeles Plays Itself, Filmwerkstatt Düsseldorf
Sa, 11. Okt, 16 Uhr: Vernissage mit einem Gespräch mit Pascal Beausse CNAP Paris
Sa, 18. Okt, 11 Uhr: Gespräch: »City in Film« Christoph Hochhäusler (Regisseur, Berlin) und Matthieu Orléan (Kurator, Cinémathèque Française) über Stadt, Kino und Bildproduktion.
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FOTOSKOPIA / Bestandsaufnahme: Von Dingen und Bildern

VERNISSAGE
Wann: 11.10.2025
Uhrzeit: 18:00 Uhr
Wo: Museum Schiefes Haus
Ort: Klintgasse 5, 38855, Wernigerode

Kranke Streichhölzer, aus der Serie „Herr der Dinge“ 2021, © Caroline Heinecke

Fotoskopia ist eine neu gegründete Ausstellungsreihe, die Positionen zeitgenössischer Fotografie abseits der großen Kunstzentren zeigt, um sie dort erlebbar zu machen, wo sie bislang wenig präsent ist.

Am 11. Oktober 2025 eröffnet die erste Fotoskopia Ausstellung unter dem Titel „Bestandsaufnahme: Von Dingen und Bildern“ mit Arbeiten von Tabea Borchardt, Caroline Heinecke und Xu Guanyu im Museum Schiefes Haus, Wernigerode. Im Zusammenspiel mit den dortigen Gegebenheiten werfen die präsentierten künstlerischen Positionen Fragen nach der Natur von Sammlungen sowie der Archivierungspraxis neu auf. Sie eint das Nachdenken über Dinge aus dem Alltag, die aufbewahrt, fotografiert und in persönliche Ordnungen überführt werden. Darüber hinaus werden individuelle Bedeutungszuschreibungen und modifizierbare Narrative sichtbar, indem sich alle drei Künstler:innen mit der An-, Um- und Neuordnung von fotografischen Bildern befassen.

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24FPS – Fotografie im Film – Ernest Cole

FILM | SCREENING
Wann: 21.10.2025
Uhrzeit: 21:00 Uhr
Wo: Luru Kino in der Leipziger Baumwollspinnerei
Ort: Spinnereistr. 7, 04179, Leipzig
In Ernest Cole: Lost and Found erzählt Raoul Peck die bewegende Geschichte des südafrikanischen Fotografen Ernest Cole (1940-1990), dessen künstlerischer Nachlass, bestehend aus 60.000 Fotonegativen, 2017 in einem schwedischen Banksafe entdeckt wurde. Cole hatte 1967 mit seinem Fotobuch „House of Bondage“ der Weltöffentlichkeit die rassistische Realität in seinem Heimatland vor Augen geführt, geriet in der 80er Jahren allerdings in Vergessenheit und starb 1990 im Alter von nur 49 Jahren in New York. Mit Coles geborgenen Bildern und Texten rekonstruiert Peck den Lebensweg eines engagierten und bahnbrechenden Künstlers, dessen Werk von der Wut über das Schweigen im Angesicht der Schrecken des Apartheid-Regimes beseelt ist.

24FPS – Fotografie im Film
Ab Juli 2025 monatlich veranstaltet von dienacht e.V. in Kooperation mit dem Luru-Kino in der Baumwollspinnerei.
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Kein Thema! – Gruppenausstellung des Ruhrorter Fotoclubs

VERNISSAGE
Wann: 31.10.2025
Uhrzeit: 17:00 Uhr
Wo: Das Plus am Neumarkt
Ort: Neumarkt 19, 47119, Duisburg
Vom 31.10. bis 30.11. zeigt der Ruhrorter Fotoclub die Ausstellung „Kein Thema!“.
Zu sehen ist die Ausstellung im „Das Plus am Neumarkt“. Die Eröffnung findet am 31.10. ab 17 Uhr statt. Geöffnet ist die Ausstellung dann zu den regulären Öffnungszeiten.

Mehr HIER.

Eigene Sachen

Über Hochzeitsfotografie mussten wir dann im Um vier Ecken Podcast doch noch sprechen. War in der Instagram Umfrage eigentlich nur auf Platz drei bei der Themenwahl gelandet. Hier kann man es trotzdem hören.

Und nun haben wir auch einen eigenen Instagramkanal und eine FB-Seite. Dann können zukünftige Umfragen und auch die Kommunikation dort stattfinden. Also bitte dort folgen.
Das PHOTO ARCHIVE HAMBURG nimmt Gestalt an. Vom 01.10. bis zum 01.12.2025 läuft der erste Open Call. Mehr infos dazu weiter oben oder hier.
Du hast bis hierher gescrollt. Schön. Ich erinnere noch einmal an die Möglichkeit, dieMotive über STEADY zu unterstützen. Hilft. Immer.
Bis dahin,

Liebe Grüße

Alex



Feedback, Anmerkungen, Hinweise und Sonstiges bitte an info@diemotive.de
Dies war der einundzwanzigste Bulletin.
Der nächste erscheint. Bald. Ende Oktober.

Nun bleibt mir nur noch, mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, die Zeit, die Rückmeldungen und die Begegnungen zu bedanken. Wer ANzeigen in diesem Newsletter buchen möchte, melde sich ebenfalls.

Wer in irgendeiner Form mit mir/dieMotive kooperieren möchte, soll sich gerne melden. Ich kooperiere gerne. Und sonst was Maude sagt: Menschen sind meine eigene Spezies, die mag ich.
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