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Bulletin #25

Moin zusammen, hier gibt's heute wieder Fotografie für alle. Von Ausstellungen (selbst gesehen) und einem Poeten über ein gestorbenes Heft bis zur neuen Podcastepisode. Da bleibt kaum ein Auge ungerührt. Ich war im Februar viel unterwegs. Einen Teil davon teile ich hier gerne. Siehe unten. Ansonsten gut. Die cahiers-Heftreihe hat sich leider ausgereiht. Das ist schade. Ohne cahiers, kein dieMotive. Aber ich mache weiter. Klingt komisch, ist aber so. Was cahiers ist und war, siehe unten. Viel Spaß.

Das macht mich fertig

Viel sehen in wenig Zeit. Der Februar war voll mit kleinen und großen Eröffnungen, Ausstellungen und Rundgängen. Hier meine kleine Zusammenfassung. Aus Platzgründen nur von meinem Berlinbesuch. Anderes dann anderswo und wann.

C/O Berlin
Es fing alles bei C/O Berlin an. Am 06. Februar eröffneten dort drei Ausstellungen gleichzeitig. Dazu hatte ich hier letztes Mal schon etwas geschrieben. Dörte Eißfeldt, Graciela Iturbide, Sheung Yiu. Und wie erwartet, die Schlange vor der Tür war lang, sehr lang. Berechtigterweise muss man sagen, das war ja alles wirklich großartig. Drei Positionen, zwei Lebenswerke, könnte man sagen. Eine überaus klare Empfehlung. Ich hoffe, ich schaffe es bis zum 10. Juni nochmal zu C/O, um mir das alles (besonders Sheung Yiu) ohne Menschenmassen und viele tolle, nette und schöne bekannte Gesichter anzuschauen. Ganz in Ruhe. Da waren einfach zu viele Gesprächspartner*innen (+ zu viel Getränk) an dem Abend. Eröffnungen sind keine Ausstellungsbesuche.
Eine Ansicht einer Arbeit von Dörte Eissfeldt

Dörte Eißfeldt bei C/O Berlin

Haus am Kleistpark
Das habe ich dann am 07. Februar versucht. Ist geglückt. Haus am Kleistpark mit Cihan Çakmak und Christa Mayer. Erstere kenne ich schon gut, das war eher ein Höflichkeitsbesuch. Auf letztere war ich neugierig. Das Thema Langzeitpsychiatrie kommt einem auch selten unter. War als Einstieg für den Tag vielleicht falsch gewählt. Ein so umfassendes Werk bedarf Ruhe in der Betrachtung. Ich hatte leider nur 30 Min. Aber auch so muss ich sagen: hat mich nicht so ganz überzeugt. Einzelne Teile schon, in der Gesamtheit aber nicht ganz mein Fall. Vorsichtig ausgedrückt.

Robert Morat
Na ja. Ich wusste ja, was noch folgt. Jörg Brüggemann bei Robert Morat zum Beispiel. Läuft nur noch bis 31.03. Also hin da.
Pro: Jörg Brüggemann ist ein ziemlich beeindruckend guter Fotograf. Die Ausstellung der dreiteiligen Serie „Tres Viajes" ist eine Erkundung Chiles, seiner Natur und seiner Menschen sowie eine Untersuchung der komplexen Beziehungen, die sich zwischen Individuen entwickeln. So steht es zumindest im Begleittext. Ich hatte mich natürlich in vollkommener Naivität auf mich selbst verlassen und geglaubt, Jörg Brüggemann würde sich (ähnlich wie bei der großartigen Arbeit „Autobahn“) wieder einem (un)sichtbaren Thema widmen, das sich auch dem letzten Banausen wie mir ohne Text zu erschließen gibt. So kann man sich irren. Die Bilder sind aber mitnichten disparat. Jörg Brüggemanns Blick und sein Gespür sind in allen Bildern zu finden. Selbst in der Bildauswahl für ein Triptychon erkennt man das Gefühl. Versucht man, alles, was Jörg Brüggemann vorher gemacht hat, zu vergessen, dann ist das eine (Galerie-)Ausstellung mit wundervollen Bildern. Ich schlich (man kann ja in Galerien irgendwie immer nur schweigend schleichen) durch die Räume, vor und zurück, von einem zum anderen, hin und her, und irgendwann erhärtete sich mein Gefühl, dass es sich hier um reine Poesie handelt. Um Fragmente unterschiedlicher Gefühle, die Brüggemann in dieser Ausstellung zusammenbringt. Schön, wirklich schön. Es gibt auch ein Buch, das aber gar nicht weiter zu einem inhaltlichen Verständnis beiträgt. Es dehnt das Poetische eher. Ich bin jedenfalls nicht schlecht gelaunt aus der Ausstellung gekommen.
Contra: Warum nicht Autobahn II? ;-) Dann wäre meine Erwartung nicht so enttäuscht worden.
Jörg brüggemann bei Robert Morat

Jörg Brüggemann bei Robert Morat

Fotografiska

Schlecht gelaunt wurde ich dann aber bei Fotografiska. Hier zu sehen: James Nachtwey, Nikita Teryoshin, Diana Markosian und Shepard Fairey. Also, Fotografiska ist mir ein Rätsel. Irgendwie schon cool, dass es das gibt. Aber eigentlich auch nicht. Die Ausstellungen sind jedenfalls gut. Was mir aber wiederholt aufgefallen ist: Kommt es nur mir so vor oder ist es in den Fotografiska-Ausstellungen immer so dunkel? Alles sehr bedächtig. Diana Markosians Arbeit kommt jedoch das zugute. Die Arbeit „Father" hatte ich schon letztes Jahr in Arles gesehen. Dort mit viel mehr Luft und Beton drum herum. Wirkte auf mich bei Fotografiska tatsächlich etwas konzentrierter. Tolle Arbeit sowieso. Empfehlung. Tja, und dann halt Nachtwey. Der Kriegsfotografiestar. Ja, er ist ein guter, sehr guter Fotojournalist. Mehr kann ich dazu dann auch nicht beitragen. Angesichts der andauernden Krisen und Kriege seit Menschengedenken überall auf der Welt bin ich mir nicht mehr sicher, ob man einzelne Fotojournalisten wegen ihrer Bilder so abfeiern sollte. Ich habe es in der Ausstellung wirklich nicht lange ausgehalten. Es war auch wieder echt dunkel. Was mich aber wirklich runtergezogen hat, war das unermessliche, sehr direkt fotografierte Leid auf nahezu allen Bildern. Tote und verletzte Kinder überall. Das hat mich echt fertig gemacht. Respekt an alle Fotojournalist*innen in Kriegsgebieten, dass ihr euch dem so unmittelbar aussetzt und die Konsequenz von Krieg so deutlich macht. Ob ich das in bedächtiger Stimmung in einer Ausstellung eines einzelnen Fotosuperstars präsentiert haben möchte, ich weiß nicht.

Und dann Nikita Teryoshin. Der Mensch, der Zoo, die Tiere. Fotografiert, wie Nikita nun mal fotografiert, zugespitzt bis unters Dach, keine Kompromisse, konsequent. Das ist sein Ding, kann er. Die Bilder sind hart, immer auf Kollision: zwischen Spezies, zwischen Würde und Spektakel, zwischen dem, was wir sehen wollen, und dem, was wirklich passiert. Das ist gut. Wirklich gut. Als dann aber eine junge Frau mit ihren Eltern einfach an den Bildern vorbeiging und „Oh, wie süß, der Eisbär" sagte, war ich am Ende. Es verpufft also. Schlimm. Schnell zum Bahnhof. In den Zug und in mein kleines beschauliches Hamburg zurück. Kommt man aus Berliner U-Bahnen und steigt in Hamburg in die U2, hat man das Gefühl, wieder in einem ICE zu sitzen. 1. Klasse. Da ist die heile Welt noch heile Welt. Man könnte im Gang sicher keimfrei ne Herz-OP durchführen.

Alle Ausstellungen bitte selber besuchen. Alle zu empfehlen. Aus unterschiedlichsten Gründen. Schlecht war da nix.

Hier zu C/O Berlin
Hier zum Haus am Kleistpark
Hier zu Robert Morat
Hier zu Fotografiska

Ausstellungen und Events bis zum 03.04.26

Die folgenden Empfehlungen und Nennungen speisen sich aus dem dieMotive-Veranstaltungskalender. Was eingetragen ist, kann auch genannt werden. Hier und auf Instagram.

double vision

VERNISSAGE HEUTE
Wann: 206.03.2026
Uhrzeit: 19:00
Wo: FASB Fotoatelier am Schönen Berg
Ort: Mansteinstraße 16, 10783, Berlin
Eine Gemeinschaftsausstellung von Birgit Hampel und Gabriele Kuhlewind
Die Arbeiten der beiden Fotografinnen umkreisen persönliche Themen von Vergänglichkeit und Verlusterfahrung. Die subjektiven Bildwelten der Fotografinnen verbindet unterschiedliches, in Teilen aber dennoch verwandtes Erleben und Beobachten.
Ausstellung läuft vom:
07. – 15.03.2026

Mehr Infos hier.

An All American Standard

VERNISSAGE
Wann: 12.03.2026
Uhrzeit: 18:00
Wo: #INKCurated
Ort: Galeriestr. 6a, 81247, München
Christian Frey

Foto: Christian Frey

„2023, in der Zwischenzeit der beiden Trump-Regierungen, reiste ich ein paar Wochen lang durch die USA, ohne einen Auftrag oder eine Frage im Kopf zu haben. Wie immer, wenn man es am wenigsten erwartet, sind es die kleinen, beiläufigen Begegnungen oder Gespräche, die eine Geschichte erzählen oder einem eine Vorstellung von den Menschen, einem Land und der Gesellschaft vermitteln.
Ob man mit Trump-Anhängern am Lagerfeuer sitzt und Whiskey trinkt, und die wissen wollen, was wir Europäer über Amerika denken, oder ob man von Mexikanern in Tucson oder Demokraten in San Diego erfährt, das sie für die Mauer sind. Das Leben ist vielschichtiger als die Stereotypen, die wir pflegen, und das ist es, was ich daran liebe.
Hier meine Reise mit unbekanntem Ausgang. Ich habe meine Zeit dort genossen und viele liebenswerte Menschen kennengelernt, die unterschiedliche Einstellungen und Meinungen zum amerikanischen Standard hatten und darüber, ob es ihn überhaupt gibt.“
Christian Frey / Agentur Focus / Freelens Mitglied / http://www.christianfrey.de

Nicolas Reinhart: Incidental Accidental

VERNISSAGE
Wann: 14.03.2026
Uhrzeit: 16:00
Wo: KÄMPER Galerie
Ort: Spinnereistr. 7, Halle 3, 04179, Leipzig

Abklatschen 3× gegrünt, M52711 (Detail), 1961/2025, Chromogener Farbabzug, 203,2×254,0 cm, © Nicolas Reinhart

Nicolas Reinhart untersucht in seiner Arbeit das visuelle Potential fotografischer Störungen und offenbart den Fehler als strukturellen und historisch bedingten Zustand, der sich sowohl im Bild, als auch im Archiv abzeichnet. Ausgangspunkt der künstlerischen Arbeit ist die Auseinandersetzung mit einer Fehlersammlung der ehemaligen Filmfabrik Wolfen. Ausgehend von der Annahme, dass fotografische Fehler nicht nur technische Defizite, sondern Ausdruck einer tieferliegenden, medienimmanenten Logik sind, untersucht die Arbeit die Störung als ein Moment künstlerischer Reflexion. Anhand von fotografischen Arbeiten, einer Video-Installation und Texten zeichnet »Incidental Accidental« das Bild eines Mediums, das sich in seinen Abweichungen, Irritationen und Fehlstellen deutlich stärker zeigt als in seiner vermeintlichen Perfektion.
Ausstellungszeitraum: 14.03.2026–11.04.2026
Öffnungszeiten: Do–Sa, 11:00–16:00 und nach Vereinbarung

Mehr Infos hier.

SWING BY 9

Poolhaus Preis für junge Kunst, Henning Rogge und Chika Aruga

VERNISSAGE
Wann: 14.03.2026
Uhrzeit: 19:00
Wo: Poolhaus Blankenese
Ort: Grotiusweg 55, 22587, Hamburg

© Henning Rogge

Zum neunten Mal wird vom Poolhaus Blankenese der „Poolhaus-Preis für junge Kunst“ vergeben. Nominiert sind sechs Hamburger Künstler*innen. Dies ist die letzte von drei Ausstellungen, zu sehen sind Arbeiten von Chika Aruga (Malerei) und Henning Rogge (Fotografie).
Ein Besuch während der Laufzeit der Ausstellung ist möglich nach Vereinbarung, per email unter: mail@henningrogge.de
Die Abschlussveranstaltung mit Preisverleihung findet statt am 27.3. um 19 Uhr.

Mehr Informationen:
poolhaus-blankenese.de
henningrogge.de
chika-aruga.com

24FPS – Fotografie im Film

Daido Moriyama – The Past is always new, the Future is always nostalgic

FILM | SCREENING
Wann: 2026-03-17
Uhrzeit: 19:00
Wo: Luru Kino in der Leipziger Baumwollspinnerei
Ort: Spinnereistr. 7, 04179, Leipzig
Der weltbekannte, 81-jährige japanische Fotograf Daido Moriyama ist trotz seines hohen Alters immer noch als Künstler tätig. Er fotografiert quasi alles. Wie ein Gehetzter scheint er unterwegs zu sein, die Kamera stets im Anschlag. Für die Fokussierung fehlt ihm die Zeit, für die Komposition die Einsicht in ihre Notwendigkeit. Er drückt ab – fotografiert nicht, sondern ballert mit demFotoapparat wie mit einem Revolver. Auf dem Land wie in Städten, auf der Straße wie in Gärten, in Bars und Schlafzimmern – überall…
Der charismatische Daido wurde für dieses nahbare Porträt über ein Jahr lang von Regisseur Gen Iwama begleitet. Er und die Menschen um ihn herum versuchen, Moriyamas Kreativität auf die Spur zu kommen und seinen Schaffensprozess einzufangen. Am Ende dieser Suche ist ein Fotobuch entstanden, das das Lebensmotto des Künstlers aufgreift: Die Vergangenheit ist immer neu, die Zukunft ist immer nostalgisch.

Mehr Infos hier.

Riitta Päiväläinen | Phantasma

VERNISSAGE
Wann: 20.03.2026
Uhrzeit: 18:00
Wo: Persons Projects
Ort: Lindenstraße 35, 10969, Berlin,

Riitta Päiväläinen, Fairytale, 2026, 140 x 201 cm

Seit 1997 fotografiert und realisiert Päiväläinen ortsspezifische Stoffinstallationen in natürlichen Umgebungen. Sie hat eine einzigartige Bildsprache entwickelt und schafft zarte, temporäre Interventionen an abgelegenen, unberührten Orten, die scheinbar von menschlichen Aktivitäten verschont geblieben sind. Ihre Standorte wählt sie sorgfältig aus: Wälder, Täler oder Flussufer dienen als Bühne für ihre Arbeiten. Aus Secondhand-Kleidung und gefundenen Textilien konstruiert sie vorübergehende, organische Skulpturen, die mit der Landschaft in einen stillen Dialog treten. Es entstehen fragile Unterkünfte und intime Orte, die Kindheitserinnerungen wachrufen und zur Reflexion über unsere Beziehung zur Natur einladen.
Die Installationen sind vergänglich und existieren nur für kurze Zeit in der Landschaft, bevor sie sorgfältig wieder abgebaut werden. Ihre Erinnerung bewahrt sich in einer einzigen Fotografie, die ihre fragile Präsenz festhält, wobei der Künstler geduldig auf das perfekte Zusammenspiel von Licht, Wind und Atmosphäre wartet. Diese Bilder verwandeln flüchtige Gesten in bleibende Kunstwerke und offenbaren eine poetische Spannung zwischen Vertrautem und Unbekanntem, zwischen persönlicher Geschichte und kollektiver Erinnerung. Die Stoffe, durchzogen von Spuren menschlicher Erfahrung, fügen sich nahtlos in das Terrain ein – mal getarnt, mal die Essenz der Landschaft hervorhebend.

Läuft bis 25.04.2026

Mehr dazu hier.

Re:Fragments – Christine Erhard

VERNISSAGE
Wann: 21.03.2026
Uhrzeit: 18:00
Wo: Kunstraum Elsa
Ort: Elsa-Brändström-Str. 13, 33602, Bielefeld

Christine Erhard, Nature Morte II, 105 x 80 cm, 2025

Die Ausstellung „Re:Fragments“ präsentiert aktuelle fotografische Arbeiten der Düsseldorfer Künstlerin Christine Erhard im Kunstraum Elsa in Bielefeld. Die Künstlerin, die bei Fritz Schwegler Freie Kunst an der Kunstakademie Düsseldorf studierte, zeigt hier erstmals eine neue Werkgruppe, die sich mit Referenzen zu Stillleben des Kubismus auseinandersetzt.
Dem fotografischen Bild geht häufig ein experimenteller, prozesshafter Umgang mit Material und Raum voraus. Skulpturale Elemente entstehen im Spannungsfeld zwischen Zwei- und Dreidimensionalität und werden im fotografischen Akt in eine neue, flächige Ordnung überführt. So entstehen Bildräume, die gleichermaßen konstruiert wie fragil erscheinen.
Kuratiert von Miriam Hüning

Laufzeit: 21.03–11.04.2026SA. 11.04.26 ab 16 Uhr Finissage und Künstlerinnengespräch
Öffnungszeiten
28.03.26 14–18 Uhr, 09.04.26 14–18 Uhr, Termine nach Absprache

Mehr Infos hier.

Fotobuchvorstellung und Gespräch rund um Belles Mômes

BOOK RELEASE | TALK
Wann: 23.03.2026
Uhrzeit: 19:00
Wo: Institut Français Berlin
Ort: Kurfürstendamm 211, 10719, Berlin
Fotobuchvorstellung Belles Mômes & Reflexion über zeitgenössische Schönheitsbilder, Sichtbarkeit und Empowerment – Clélia Odette im Gespräch mit Prof. Dr. Elahe Haschemi Yekani, moderiert von Dr. Miriam Zlobinski

Ein Abend für eine plurale und inklusive Vorstellung von Schönheit, für die Sichtbarkeit von Frauen und für die transformative Kraft visueller Erzählungen. Sie lädt dazu ein, gewohnte Bildwelten zu hinterfragen und neue Perspektiven auf Körper, Alter und Identität zu feiern.
Wir freuen uns auf einen anregenden, gemeinschaftlichen Austausch!
Eintritt frei

Hier Platz reservieren.

FROM THE BLOCK

Ausstellung&Erzählcafe im Rahmen der Wochen gegen Rassismus 2026 // Stadt Augsburg

AUSSTELLUNG | TALK | WORKSHOP
Wann: 27.03.2026
Wo: KARO10, ehemaliges Rübsamen-Gebäude
Ort: Karolinenstraße 10, 86150, Augsburg
Eine Veranstaltung im Rahmen der Wochen gegen Rassismus 2026 // Stadt Augsburg
FROM THE BLOCK ist eine interdisziplinäre Veranstaltung, die osteuropäische Perspektiven sichtbar macht und Raum für Austausch, Erinnerung und Begegnung schafft. Fotografie, Archivarbeit, Erzählen und gemeinsames Essen verbinden sich zu einem offenen Format zwischen Ausstellung, Installation und Erzählcafé.
Im Zentrum steht ein moderiertes Erzählcafé mit Archivarbeit: Die Teilnehmenden sind eingeladen, persönliche Objekte mitzubringen – alte Fotografien, Tagebucheinträge, Briefe, Fundstücke oder Erinnerungsgegenstände. Diese individuellen Archive bilden den Ausgangspunkt für eine gemeinsame Auseinandersetzung mit Erinnerung, Antislawismus, Widerstand und Sichtbarkeit. Freiwillig können die mitgebrachten Objekte vor Ort mit Polaroid fotografiert werden. Die Aufnahmen bilden eine wachsende Archiv-Installation.
Begleitend werden Fotografien aus der Serie „Meine Augen sehen im Dunkeln“ von Natalia Karolina Stańczak (sandsackfotografie) gezeigt. Kulinarisch wird der Abend durch osteuropäische Fusionsküche von soulfoodboy begleitet.

Wann: 27.03.2026, 17:00–22:00 Uhr
Wo: KARO10, ehemaliges Rübsamen-Gebäude, Karolinenstraße 10, 86150 Augsburg
Eintritt: frei, Essen gegen Spende
Anmeldung wegen Essen: info@sandsackfotografie.de

Luigi Toscano. Kanakenkinder

Wann: 27.03.2026
Uhrzeit: 19:00
Wo: PORT25 – Raum für Gegenwartskunst
Ort: Hafenstr. 25-27, 68159, Mannheim
Luigi Toscano präsentiert seine neue Werkgruppe: großformatige Porträts von Menschen mit migrantischen Perspektiven. Ganz unmittelbar treten wir ihnen gegenüber, schauen in die Gesichter – welche Geschichten erzählen sie? Welche Geschichte wollen wir hören?
Zur Eröffnung der Ausstellung liest Luigi Toscano aus seinem autobiografischen Buch „Kanakenkind“. Er erzählt von Gewalt, Rettung und Erinnerung: Als Sohn sizilianischer Einwanderer findet er durch die Fotografie einen Ausweg aus Gewalt, Vernachlässigung, Drogen und Straße. Toscano, 1972 in Mainz geboren, lebt in Mannheim, ist Autodidakt und seit Jahr en mit dem Projekt „Gegen das Vergessen“ international präsent. Im Buch verknüpft er seine Geschichte mit der Suche nach der Identität von Anna Iwanowa aus Kiew, die 1943 als Kleinkind von den Deutschen verschleppt und nach Auschwitz deportiert wurde. Toscano beginnt eine Reise durch Zeiten und Räume, um Anna Iwanowas Identität zu erforschen.
Das Buch „Luigi Toscano. Kanakenkind“ erscheint im März 2026 im Herder Verlag.

Ausstellungsdauer: 28.03.2026 – 14.06.2026
Begrüßung: Dr. Boris Weirauch, MdL
Lesung und Gespräch: Luigi Toscano und Evein Obulor

Mehr hier.

Saumpfade der Hefte

Irgendwann im Januar erhielt ich eine Einladung zum Release der siebten Ausgabe der cahiers – Hefte zur Fotografie. Darauf folgte ein kleiner Schock. Die siebte sollte die letzte Ausgabe sein.
"Ja, wie? Was? Hefte zur Fotografie? Kenne ich nicht.", mag sich manch eine/r jetzt denken. Ja, leider. cahiers – Hefte zur Fotografie wurde 2012 als Zeitschrift des MA-Studiengangs Fotografie – Photographic Studies am Fachbereich Design der Fachhochschule Dortmund konzipiert. Realisiert von Studierenden und Lehrenden der Fotografie-Studiengänge erscheinen die Ausgaben seither in unregelmäßiger Folge. Und ich kann mit ganzem Stolz behaupten, bei der Geburt dabei gewesen zu sein. Gründungsmitglied nennt man das.

Was ich noch behaupte: Ohne diese Heftreihe wäre ich vielleicht (wahrscheinlich) einfach Fotograf geworden. An den ersten beiden Ausgaben habe ich noch selbst mitgearbeitet, und diese boten mir zum allerersten Mal die Möglichkeit, etwas Geschriebenes zu veröffentlichen. Und sei es nur das Editorial. Auch meine ich, dass ich die ersten Dummys von Ausgabe 1 noch selbst gestaltet, ausgedruckt und gebunden habe. Es besteht jedoch die Möglichkeit, dass ich meinen Anteil an diesem Gruppenprojekt rückblickend maßlos überschätze. Zumindest habe ich irgendwie gestaltet. Die roten Trennseiten waren ganz vielleicht mein Mist.

Die Arbeit an dieser Reihe hat meine ganze Zukunft geprägt und maßgeblich geändert. Ohne cahiers kein dieMotive, das nur existiert, weil ich nach dem Studium weitermachen wollte. Wer jetzt denkt, ach, wärste mal besser ausschließlich Fotograf geworden, möge für immer schweigen. ;-)
Den Grund für das Ende der (kostenlosen) Heftreihe kann ich nur erahnen. Entweder kein Geld mehr vom Fachbereich oder keine Studierenden mehr, die auch mal anders mit Fotografie zu tun haben wollen als hinter einer Kamera oder so. Ich kann nur jedem empfehlen, sich die Ausgaben zu bestellen. Sie sind kostenlos. Und wer sein Gehirn wirklich mal verdrehen möchte, der lese den Text von Prof. Dr. phil. habil. Ralf Bohn, Dipl.-Des. in Ausgabe 2 mit dem Titel "Saumpfade des Fotografen". Ich hab's bis heute nicht verstanden. Aber lest selbst. Danke, dass diese Heftreihe so lange existiert hat. Schade, dass sie es nun nicht mehr tut.

Kann man kostenlos hier noch bestellen. Oder direkt an: info.cahiers@fh-dortmund.de

Direkt aus meiner Schublade: Erste Coverentwürfe und ein ziemlich finaler Dummy der ersten Ausgabe.

Eigene Sachen

Eine neue Episode des dieMotive Podcasts. Mit Adelheid Komenda. Stabil, wie sie selbst sagt. Tolle Episode. Adelheid Komenda ist Referentin für Fotografie am LVR Landesmuseum Bonn und engagiert sich für das fotografische Erbe der DDR in der Arbeitsgruppe 89+ der DGPh. Im Gespräch geht es um Hermann Claasen, Richard Peter senior, das Leben nach der Vernissage und die große Frage: Was soll eigentlich archiviert werden? Zwischen wachsendem Interesse an Archiven und ungewisser Zukunft für analoge Bestände, auch mit Blick auf Sebastião Salgado. Wo Podcasts zu hören sind, da gibt es auch diesen.
Oder direkt hier.
Adelheid Komenda
Du hast bis hierher gescrollt. Schön. Ich erinnere noch einmal an die Möglichkeit, dieMotive über STEADY zu unterstützen. Hilft. Immer.
Bis dahin,

Liebe Grüße

Alex



Feedback, Anmerkungen, Hinweise und Sonstiges bitte an info@diemotive.de
Dies war der fünfundzwanzigste Bulletin.
Der nächste erscheint. Bald.

Nun bleibt mir nur noch, mich ganz herzlich für die Aufmerksamkeit, die Zeit, die Rückmeldungen und die Begegnungen zu bedanken. Wer Anzeigen in diesem Newsletter buchen möchte, melde sich ebenfalls.

Wer in irgendeiner Form mit mir/dieMotive kooperieren möchte, soll sich gerne melden. Ich kooperiere gerne. Und sonst was Maude sagt: Menschen sind meine eigene Spezies, die mag ich.