MODEL – Photographs from the Gerd Sander Collection
MODEL – Photographs from the Gerd Sander Collection
„Fotografiere niemals etwas, das dich gleichgültig lässt!“ – diesen Rat ihrer Freundin Rogi André machte Lisette Model (1901–1983) zur Leitlinie ihres Schaffens. Geboren 1901 in Wien, zunächst musikalisch bei Arnold Schönberg ausgebildet, wandte sie sich Anfang der 1930er Jahre der Fotografie zu. In Paris und an der Côte d’Azur entstanden ihre ersten Aufnahmen, die bald im Magazin Regards erschienen. Mit der Rolleiflex hielt sie die selbstgefälligen Müßiggänger von Nizza ebenso fest wie das mondäne Treiben in Monte Carlo, darunter ihr berühmtes Bild einer korpulenten Glücksspielerin. Den Bildern des großbürgerlichen Wohlstands stellte sie kontrastreich Szenen des „kleinen Mannes“ und der Clochards gegenüber.
1938 emigrierte Model in die USA und blieb ihrem Thema treu: Sie fotografierte das Prekariat der Lower East Side ebenso wie Gäste luxuriöser Restaurants. Ihre Porträts von Sängerinnen und Sängern in Sammy’s Bar spiegeln zugleich ihre Leidenschaft für Musik. Neben Porträts entstanden experimentelle Serien, die die Dynamik der Großstadt aufgriffen. In den Reflections verwandelte sie Schaufenster in vielschichtige Bildräume, in der Serie Running Legs fing sie mit der Kamera knapp über dem Asphalt die hektische Bewegung der Straßen New Yorks ein. Ihr unverstellter Blick und die Ausdruckskraft ihrer Arbeiten machten sie zu einer gefragten Fotografin, die u. a. für Harper’s Bazaar tätig war.
Die Ausstellung in der Galerie Julian Sander zeigt Werke aus allen Schaffensphasen Models und beleuchtet zugleich die Rolle von Gerd Sander. Er verhalf ihrem Werk in den späten 1970er- und frühen 1980er-Jahren zu neuer Sichtbarkeit – als Galerist und als erfahrener Printer. Viele Negative befanden sich damals in problematischem Zustand, weshalb Sanders handwerkliches Können und chemisch-physikalisches Wissen entscheidend waren, um neue Abzüge zu erstellen. Arbeitsabzüge aus seinem Nachlass veranschaulichen diese Arbeit und zeigen, wie sehr die endgültige Bildwirkung vom Druckprozess abhängt. So rückt die Ausstellung auch die oft übersehene Tatsache ins Licht, dass ein Negativ lediglich Grundlage ist – das fertige Foto aber erst im Abzug entsteht.
Zur Ausstellung erscheint ein begleitender Katalog
